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Psychoanalytische Pädagogik
Psychoanalytische Pädagogik
Margret Dörr
Die Psychoanalytische Pädagogik ist aus dem Nachdenken über und den Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen hervorgegangen, die derzeit mehrheitlich
als traumatisiert psychiatrisch diagnostiziert werden. Seit ihren Anfängen richtet
sie ihr Augenmerk auf die sozialhistorische Dialektik von Psycho- und Soziodynamik, die auch im unmittelbaren pädagogischen Geschehen ihre Wirkungen entfaltet. Dabei betrachtet sie Bildung nicht als identisch mit der Aneignung von Wissen
und dem Erwerb von Lernkompetenz, sondern umfassender als eine aktive Auseinandersetzung des (werdenden) Subjekts mit der Welt, dem Selbst und den Mitmenschen im Kontext gesellschaftlicher Widersprüche (Schäfer 2003). Ausgehend
von der Psychoanalyse steht in ihrer Theorie die Annahme eines »ubiquitären dynamischen Unbewussten« im Zentrum. Diese besagt, dass sich Menschen beständig mit Erlebnisinhalten konfrontiert sehen, die sie unbewusst als sehr bedrohlich
erleben und die sie deshalb aktiv, mithilfe verschiedener Formen von unbewussten
Abwehr- und Sicherungsaktivitäten, vom Bereich des bewusst Wahrnehmbaren
fernzuhalten versuchen (Datler 2003; Datler/Wininger 2018). Entsprechend ist ihr
psychoanalytisch-pädagogisches Nachdenken über und ihr gekonntes Tun grundsätzlich eben nicht nur in der Theorie über und Praxis mit als traumatisiert
geltenden oder psychiatrisch krank diagnostizierten Menschen auf die Möglichkeiten, Besonderheiten und Behinderungen der inneren und äußeren Austauschfähigkeit ihrer Adressat*innen gerichtet.
Das tragfähige Fundament für diese Praxis bildet ein psychoanalytisches Konzept des Verstehens und Begreifens. Einbezogen ist darin die Kunst des verstehenden Annehmens unverständlicher Anderer sowie die Bereitschaft zu einem bewussten Umgang mit der eigenen schmerzhaften Verletzlichkeit, die das Ringen
um eine gemeinsame Verständigung trotz konflikthafter Widersprüche und Gegensätzlichkeiten orientieren (Dörr/Gstach 2015).
Diese Perspektive verlangt eine differenzierte Auseinandersetzung auch mit jenen Dimensionen von innerpsychischen Prozessen, Beziehungen und Institutionalisierungen, die der bewussten Reflexion und Kontrolle nicht oder nur schwer
zugänglich sind und die keineswegs nur auf der Ebene unmittelbarer pädagogischer Interaktionen zur Geltung kommen, sondern auch auf der Ebene der Herstellung von strukturierenden Bedingungen für solche Interaktionen (Dörr/Müller 2019, S. 19). Die Wirkung des Unbewussten betrifft nämlich auch den
Handlungsrahmen, also die organisationspädagogische Seite: Jede organisierte