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Hochuli Freund
31.7.17 S. 77
KPG als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit
ethisch reflektiertes Handeln ganz konkret anregen und unterstützen. Die Grenzen des Konzepts werden bewusst mit in den Blick genommen: Welchen Anteil
hat z. B. die soziale Organisation, innerhalb deren Rahmen sich die Fallarbeit
abspielt, und welche ethische Verantwortung bleibt immer und in jedem Einzelfall bei der Professionellen der Sozialen Arbeit?
Die drei Elemente Umgang mit Nicht-Standardisierbarkeit, Soziale Diagnostik und Kooperation werden von den Autoren in der Einleitung zum Lehrbuch
Kooperative Prozessgestaltung besonders hervorgehoben (vgl. ebd.:15ff.)
diese drei Elemente sind es daher auch, die hier hinsichtlich ihres Bezugs zu
ethischer Reflexion genauer untersucht werden sollen.
2.1
Ein Prozessmodell zur professionellen Bewältigung
von Nicht-Standardisierbarkeit
Die zentrale Thematisierung des Strukturelements der Nicht-Standardisierbarkeit in einem Konzept, das ein Modell zur Strukturierung professioneller
Handlungsprozesse vorschlägt, irritiert zuerst einmal. Macht man sich bewusst,
dass Standardisierung und Strukturierung ganz unterschiedliche Phänomene
sind, löst sich diese Irritation bereits zu einem gewissen Grad auf. Struktur ist
zu verstehen als »differenzierter und geordneter Zusammenhang bzw. als Beziehung und Wechselwirken von Elementen einer Entität […]« (Puntel 2006:36),
wohingegen Standardisierung gleichgesetzt wird mit Normierung, Typisierung
und Vereinheitlichung (vgl. Universität Leipzig o. J.) Besonders hervorzuheben
scheint an dieser Stelle der Umstand, dass eine Struktur deskriptiv gelesen werden kann, wohingegen ein Standard gemäss obiger Definition immer schon eine
normative Qualität beinhaltet.
Die Nicht-Standardisierbarkeit professioneller Handlungen sei es in der Sozialen Arbeit oder in anderen Professionen ist weitgehend unbestritten. Sie erklärt sich u. a. aus der doppelten Kontingenz von sozialen Systemen, in denen
alle Beteiligten jederzeit auch ganz anders handeln und kommunizieren könnten,
sodass weder der Fortgang der Kommunikation geplant noch ihre Wirkung vorausgesagt werden kann (vgl. Luhmann 1984:152ff.). Daraus lässt sich aber
nicht ableiten, dass professionelles Handeln über keine Struktur verfüge. Im Gegenteil, gerade in komplexen Situationen, in denen sich die Standardisierung
und Technologisierung von Problemlösungen verbietet, braucht der Mensch
Struktur, um überhaupt handlungsfähig zu sein (vgl. Helsper 2008:162ff.). Die
Kriterien, nach denen ein Handlungsprozess strukturiert werden kann, sind dabei vielfältig. So müssen sich Professionelle der Sozialen Arbeit meist bis zu einem gewissen Grad einer gegebenen z. B. organisational vorgeschriebenen
Struktur anpassen. Oft besteht aber auch die Möglichkeit, gemäss persönlicher
Vorlieben und momentaner Motivation zu entscheiden, wie vorgegangen werden soll. Professionelle können sich einer Lehre anschliessen, die ein bestimmtes Vorgehen vorgibt. Sie können aber auch eine reaktive Struktur wählen, indem sie jeweils erst dann handeln, wenn die Situation eine so hohe Dringlichkeit
erreicht hat, dass sich Inhalt und Reihenfolge der notwendigen Handlungen aus
dem Handlungsdruck selbst ergeben.
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