Generated pages/ subfolders for all documents: - arbeit: 386 pages - praxis: 297 pages - EPG: 11 pages Page numbers are 0-based PDF indices matching the book viewer. Extracted using pdftotext.
39 lines
3.1 KiB
Markdown
39 lines
3.1 KiB
Markdown
Hochuli Freund
|
||
|
||
31.7.17 S. 59
|
||
|
||
Denken und Handeln
|
||
|
||
• Verfügbarkeit: Zufällig verfügbare, aber unvollständige Informationen werden überbewertet. System 1 funktioniere nach dem Motto ›What you see is
|
||
all there is‹, so Kahneman (vgl. ebd.:85). Für System 1 ist es wichtig, das
|
||
eine Geschichte in sich stimmig ist, Quantität und Qualität der zugrundeliegenden Informationen sind dabei irrelevant. Z. B.: Eine Sozialarbeiterin begrüsst zwei Klienten freundlich und zugleich bestimmt – sie ist sicherlich
|
||
eine gute Sozialarbeiterin.
|
||
• Substitution (vgl. ebd.:97ff.): Eine schwierig zu beantwortende Frage wird
|
||
automatisch durch eine leichtere Frage ersetzt – wenn beispielsweise die Frage nach der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben durch die heuristische Frage nach der Stimmung im Moment ersetzt und beantwortet wird (vgl.
|
||
ebd.:98). Eine Substitutionsvariante ist die sog. Affekt-Heuristik. Demnach
|
||
fällen Menschen Urteile und Entscheidungen auf Grund ihrer Gefühle: »The
|
||
answer to an easy question (How do I feel about it?) serves as an answer to
|
||
a much harder question (What do I think about it?)« (ebd.:139).
|
||
Auf Kahnemans – für ökonomische Fragestellungen sehr wichtige – Auseinandersetzung mit ›statistischer Intelligenz‹ sei hier nur kurz verwiesen. Er erläutert, wie schwer es für Menschen sei, statistisch, also auf Grund von Mengen,
|
||
richtig zu denken (und verneint seine eingangs gestellt Frage, ob es so etwas
|
||
wie ›intuitives statisches Denken‹ gebe). Im Gegensatz zu System 1 wäre System 2 jedoch durchaus in der Lage, statistisch denken zu lernen und rationale
|
||
Risiko- und Wirkungseinschätzungen vorzunehmen (vgl. ebd.:77). Kahnemans
|
||
Festellung, »our mind is strongly biases toward causal explanations and does
|
||
not deal well with ›mere statistics‹« (ebd.:182) ist auch für die Soziale Arbeit
|
||
relevant. Weil es so anstrengend ist, Schlüsse aus Häufigkeiten zu ziehen, erfinden Menschen lieber kausale Zusammenhänge zwischen zwei Ereignissen, die
|
||
vielleicht gar nicht zusammenhängen.
|
||
|
||
3.2
|
||
|
||
Intuition und Expertise
|
||
|
||
Für alle Menschen ist es naheliegend, der eigenen Intuition – im automatischen
|
||
Modus von System 1– zu folgen. »Following our intuitions is more natural,
|
||
and somehow more pleasant, than acting against them« (ebd.:194). Neben diesen automatisch-schnellen, möglicherweise fehlerbehafteten Intuitionen gibt es
|
||
gemäss Kahnemann aber auch erfahrungs- und wissensbasierte Intuitionen.
|
||
»Some intuitions draw primarily on skill and expertise acquired by repeated experience« (vgl. ebd.:185). Diese ebenfalls äusserst schnell gefällten Urteile und
|
||
Entscheidungen (z. B. von Schachweltmeistern, Feuerwehrkommandanten, Medizinerinnen), die auf einer Kombination aus Analyse und Intuition beruhen
|
||
würden, nennt er »skilled intuitions, in which a solution to the current problem
|
||
comes to mind quickly because familiar cues are recognized« (ebd.:185, Hervorhebung uh). Subjektiv allerdings unterscheiden sich diese wissens- und erfahrungsbasierten Intuitionen leider nicht von den auf vereinfachenden, fehlerbehafteten Heuristiken von System 1 beruhenden Intuitionen.3
|
||
59
|