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vorgenommen im Sinne eines abschließenden Rückblicks, wo Bilanz
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gezogen wird. Den Zeitpunkt des Abschlusses planen zu können ist
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Bestandteil der Aufgabe von Professionellen. Neuffer verweist darauf, dass
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ein Case-Manager anhand gesetzter Kriterien in der Hilfeplanung und
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beobachteter Veränderungen in der Hilfestellung erkennen kann, wann die
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Unterstützung für Klientinnen zu Ende ist (vgl. 2013:136). Ziel eines
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qualifizierten Abschlusses sei es, das Beenden der Unterstützung und
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Maßnahmen bewusst zu gestalten, den gesamten Verlauf anhand der Ziele
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zu reflektieren und auszuwerten und weiterführende Maßnahmen – sofern
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notwendig – einzuleiten.
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Evaluation ist aber auch eine kontinuierliche Aufgabe im Verlaufe eines
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Unterstützungsprozesses. Insbesondere bei längerfristigen Beratungen
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oder Platzierungen sind regelmäßige Zwischenauswertungen mit allen
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Beteiligten zu vereinbaren. Die zeitlichen Abstände richten sich nach dem
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institutionellen Auftrag und Kontext. Während in Einrichtungen der
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stationären Behindertenhilfe jährliche Zwischenevaluationen üblicherweise
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ausreichen, sind bei schnelleren Entwicklungsprozessen von Kindern oder
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Familien eher halbjährliche Auswertungsgespräche angebracht, und bei
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Kriseninterventionsstellen sind die Evaluationsintervalle noch kürzer
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anzusetzen. So nützlich und hilfreich institutionalisierte Vorgaben bezüglich
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Evaluationsgesprächen sind, so wichtig ist es gleichzeitig, dass Evaluationen
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nicht ausschließlich gemäß der Logik der Organisation stattfinden, sondern
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entsprechend den Erfordernissen in einem Fall.
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Wir haben unter Kapitel 14.1 dargelegt, dass der Begriff der
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fallbezogenen Evaluation bzw. ›Selbstevaluation‹ in Abgrenzung zu
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›Fremdevaluation‹ entstanden ist. Der Begriff Selbstevaluation ist allerdings
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missverständlich, könnte er doch suggerieren, dass lediglich die
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Professionellen ihre Arbeit auswerten. Selbstverständlich jedoch ist in einer
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fallbezogenen Evaluation – welche die Professionellen selbst vornehmen und
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für die sie verantwortlich zeichnen – die Auswertung gemeinsam mit der
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Klientin und/oder dem Klientensystem ein wesentlicher Bestandteil.
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Fallbezogene Evaluation findet sowohl auf der Kooperationsebene mit
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Klienten als auch auf der Fachebene statt. Neuffer verweist auf die
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Notwendigkeit der Trennung dieser beiden Ebenen: »Die Auswertung und
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Bewertung der Fallverläufe des Case-Managements (…) aus professioneller
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Sicht werden nicht in die Abschlusskonferenz integriert« (ebd.:139), an der
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das gesamte Klientensystem und wichtige Professionelle teilnehmen.
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Es gibt unterschiedlichste Werkzeuge und methodische Hilfsmittel zur
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Durchführung einer fallbezogenen Evaluation. Checklisten sind hilfreich um
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zu kontrollieren, ob alle in einer Organisation standardisierten Schritte
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einer Prozessgestaltung tatsächlich umgesetzt worden ist. Für eine
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quantitative Evaluation bieten sich Skalierungsfragen an; Einschätzungen
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können z. B. mit Hilfe einer Anzahl von Fingern, mit Lineal oder Seil, mit
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Smileys u. ä. erfasst werden. Offene Fragen ermöglichen demgegenüber
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qualitative Aussagen, wie etwas erlebt worden ist. In vielen
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Praxisorganisationen sind spezifische Evaluationsinstrumente entwickelt
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worden und haben sich methodische Hilfsmittel etabliert. In der Literatur
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finden sich Instrumente zur Evaluation – allerdings ohne Fokus auf
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fallbezogene Evaluation – u. a. bei König (2007) und Merchel (2010).
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