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In den 1990er Jahren wurde die Bedeutung von Evaluation in der Sozialen
Arbeit zunehmend erkannt und thematisiert (vgl. u. a. Heiner 1994, Heiner
et al. 1998). Hintergrund dieses Interesses war nicht zuletzt die Finanzkrise
öffentlicher Haushalte und der damit verbundene Druck, die Effektivität
und Effizienz öffentlich finanzierter Leistungen nachzuweisen. Mit der
Forderung nach Institutionalisierung von Methoden der Selbstevaluation
waren gemäß Galuske (vgl. 2013:348) drei Hoffnungen verbunden: Die
Verhinderung von Fremdkontrolle, gesteigerte legitimatorische
Einflusschancen (wenn die Soziale Arbeit die Wirkung ihrer Interventionen
nachweisen kann) sowie fachliche Qualifizierung. Insbesondere von Spiegel
(1994, 1998) hat die Selbstevaluation auf der Ebene der Organisation als
Mittel beruflicher Qualifizierung thematisiert. Allgemein weist sie der
Evaluation in der Sozialen Arbeit vier Funktionen zu, die sie als eng
miteinander verwoben sieht: Kontrolle, Aufklärung, Qualifizierung und
Innovation (vgl. 1994:15 ff.). Bei König findet sich als fünfte Funktion
diejenige der Legitimierung Sozialer Arbeit in betriebs- und
volkswirtschaftlichem Sinne (vgl. 2007:64 f.). Harald benennt die
Funktionen von Evaluation mit Legitimierung, Profilierung,
Entscheidungshilfe und Optimierung (vgl. 2009:321 ff.). Evaluationen auf
der Ebene der Organisation und der Profession werden mit Hilfe von
Methoden der empirischen Sozialforschung durchgeführt. Anregungen zur
Konzeption solcher Evaluationen finden sich u. a. bei Heiner (1998) und
König (2007). Die Evaluationsforschung in der Sozialen Arbeit ist heute sehr
vielfältig. Harald betont einerseits ihre große Bedeutung, indem sie
Evaluationen als das Mittel zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit
bezeichnet »Die Zukunft von Sozialer Arbeit liegt in der Evaluation der
Sozialen Arbeit« (2009:338) , andererseits konstatiert sie, dass Theorie
wie Praxis von einer Systematisierung und Präzisierung evaluatorischer
Zugänge noch weit entfernt seien (vgl. ebd.:341).
Evaluation auf der Ebene der Organisation ist zumindest im
deutschsprachigen Raum (vgl. Heiner 2005:485) eng verknüpft mit
Qualitätsentwicklung und -management. Darunter werden alle
strukturierten Bemühungen einer Organisation um die Qualität ihrer
Produkte und Dienstleistungen gefasst. In Qualitätsmanagementsystemen
werden Standardisierungen von Abläufen (z. B. bei der Aufnahme eines
Falles) und Vorgaben für die Dokumentation (z. B. von Analysebogen,
Zielformulierungen, Auswertungsgesprächen etc.) definiert. Damit soll eine
Überprüfung und fachliche Beurteilung von Effektivität, Effizienz und
Qualität ermöglicht werden. Zugleich bedeutet dies, dass Evaluation auf der
Ebene der Organisation festgeschrieben ist. Die Finanzierung von
Organisationen durch die öffentliche Hand setzt heute in vielen Bereichen
die in sog. Audits überprüfte Implementierung von
Qualitätsmanagementsystemen voraus (vgl. u. a. Peterander/Speck 1999).
Evaluation, Supervision und Reflexion
Auf der ersten Evaluationsebene nach Grohmann wird das professionelle
Handeln in einem Fall untersucht und kritisch reflektiert. Diese
fallbezogene Evaluation ist in zwei Richtungen abzugrenzen: Einerseits
gegenüber sog. klassischen Instrumenten der Rechenschaftsablegung wie