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Beobachtet er das Verhalten der anwesenden Personen und erfasst die
Situation neu, sucht er Erklärungen für das sehr emotionale Verhalten
einzelner Familienmitglieder oder überlegt er sich, was in diesem
Augenblick das Vordringlichste ist?
Das Prozessgestaltungsmodell stellt als Denkstruktur die Möglichkeit
dar, das Alltagshandeln einzuordnen; es hilft, ein im Moment
möglicherweise unübersichtliches Geschehen in einen größeren
Zusammenhang zu stellen. Dabei können Handlungen, Verhaltensweisen,
Reaktionen etc. aus einer anderen Perspektive betrachtet, neu bewertet und
in ihrem Aussagegewicht relativiert werden.
Im obigen Beispiel könnte das bedeuten, dass erst durch das Rollenspiel
klargeworden ist, dass hinter dem Thema respektvoller gegenseitiger
Umgang massive physische Gewalt des Vaters steht. Mit Rückbezug auf
das Prozessmodell kann die Situation in der Familie neu erfasst und
bewertet werden, der Sozialarbeiter kann versuchen, das Thema
häusliche Gewalt zu erhellen und mit allen Familienmitgliedern Ziele
auszuhandeln, wie der Gewaltspirale begegnet werden kann.
Möglicherweise ergibt sich aufgrund der Diagnose, dass der Vater eine
Männerberatungsstelle aufsucht und sich intensiv mit seinem
Gewaltverhalten auseinandersetzt.
Der Rückbezug auf das Prozessmodell erlaubt dem Sozialarbeiter, aus den
neu gewonnenen Erkenntnissen sein methodisches Handeln neu zu
strukturieren. Etwas verallgemeinerter ausgedrückt bedeutet dies
Folgendes: Auf der Ebene des methodischen Vorgehens ist jeweils kritisch
zu reflektieren, ob die gewählte Methode der aktuellen Aufgabenstellung
wie auch der Person und der momentanen Situation angemessen ist. Dabei
gilt es einen möglichst adäquaten und effizienten Weg zur Problemlösung
und Hilfestellung zu finden. Die Idee der Denkstruktur kann auch dazu
dienen, die innere Logik des eigenen Vorgehens kritisch zu beleuchten und
sich zu fragen, ob der nächste Prozessschritt angesichts des bisherigen
Prozesses angemessen ist. In der Beleuchtung der einzelnen Schritte in
ihrer Abfolge ist zu prüfen, ob nicht ein wichtiger Teilschritt übersprungen
oder unsorgfältig ausgeführt worden ist. Die Orientierung am
Prozessmodell ermöglicht das eigene Handeln einzuordnen, in einen
gesamten Rahmen zu stellen und möglicherweise anpassen zu können. Dies
hilft, sowohl mögliche Lücken aufzudecken wie auch das Handeln
auszurichten nach dem, was wirklich relevant ist, um sich nicht in
Detailfragen des professionellen Alltags zu verlieren.
In der sozialarbeiterischen Praxis ist es so, dass bei jedem Schritt oft
gleichzeitig Anteile aus andern Prozessschritten auszumachen sind. Dies
soll an einem Beispiel erörtert werden. Wählt eine Sozialarbeiterin in der
Sozialberatung in einem Erstgespräch mit einem Klienten ein Vorgehen mit
offenen Impulsfragen, angelehnt an die Methode des narrativen Interviews,
so leistet sie damit einen gewichtigen Beitrag zu einer umfassenden
Situationserfassung. Gleichzeitig tritt sie in Interaktion mit dem Klienten,
sie kooperiert, sie interveniert (Intervention). Beim Erzählen macht sie
Notizen, sie versucht, dem Erzählfluss zu folgen und das Erzählte
einzuordnen. Sie versucht, aus dem Gesagten zu verstehen, was dieser
Klient zu ihr geführt hat, stellt Zusammenhänge her und nimmt erste