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Hochuli Freund
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31.7.17 S. 266
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Teil 3 Fallarbeit mit KPG
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hen können, auch wenn ihre Beeinträchtigungen stärker sind. Nun stellt sich
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die Frage, welche Muster dazu führen könnten, dass die Wahrnehmung so
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unterschiedlich ist. Im Alter finden unterschiedliche körperliche Abbauprozesse statt, im vorliegenden Fall ist der (langsame) Verlust des Sehvermögens
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zentral. Dieser Abbau kann für einen Menschen einen Kontrollverlust und
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eine Bewältigungsaufgabe darstellen. Auch wenn durch kompensatorische
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Hilfsmittel und Methoden im Alltag der Sehrest unterstützt werden kann,
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schätzen manche Personen diese negative Situation des Nicht-mehr-selbständig-Sehens als zu wenig kontrollier- und veränderbar ein. Andere erkennen,
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dass sie durch aktives Beiziehen von Hilfsmitteln (beispielsweise einer Lupe
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beim Lesen) ihr Wohlbefinden befördern und die Kontrolle behalten können.
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Sagt nun eine Person, sie könne (und wolle) etwas nicht mehr, so hilft ihr dies
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möglicherweise (sekundäre) Kontrolle über die Situation zu halten. Durch Erlebnisse des Scheiterns fand eine kognitive Umstrukturierung statt, es wurden
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Vermeidungstendenzen und Abwehrmechanismen gegenüber bestimmten Tätigkeiten entwickelt. Wenn also eine als zu schwierig eingeschätzte Tätigkeit
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positive Gefühle bedrohen könnte, dann wird dieser Bedrohung mit der Aussage eigenen Unvermögens begegnet und damit (sekundäre) Kontrolle wiedererlangt. Die Furcht des Kontrollverlustes lässt sowohl Angebote als auch
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Hilfsmittel unattraktiv wirken, denn es werden in keiner Weise angenehme
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Emotionen damit assoziiert. Die Personen nutzen sich nach Skinner als Kontrollagenten, um durch das Ablehnen von Tätigkeiten einen für sie positiven
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Zielzustand zu erreichen: Sie vermeiden unangenehme Situationen.
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Auch mit der kognitiv-transaktionalen Bewältigungstheorie können ähnliche Annahmen gemacht werden: Erlebt sich eine Person grundsätzlich als
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selbstwirksam und hat das Gefühl, die für sie wesentlichen Dinge unter Kontrolle zu haben, dann wird sie neue Tätigkeiten eher als Herausforderung
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(primär) und bewältigbar (sekundär) einschätzen. Erlebt sich hingegen eine
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Person wenig selbstwirksam, werden neue Situationen als Bedrohungen
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wahrgenommen, und sie machen Bewältigungshandeln erforderlich. In der
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sekundären Einschätzung entwirft die Person nun Strategien zur Bewältigung, welche – je nach Situation und kognitiven Strukturen der Person –
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mehr problem- oder emotionszentriert ausfallen.
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Durch Vermeidung neuer Situationen haben die Bewohnerinnen und Bewohner eine Strategie entwickelt, um positive Emotionen aufrecht zu erhalten. Würden sie das Wagnis eingehen und beim Erproben neuer Tätigkeiten
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tatsächlich scheitern, könnte dies negative Auswirkungen auf ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstwirksamkeit haben. Darauf würde folgen, dass sie sich
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nach jeder Enttäuschung noch weniger zutrauen. Weiter könnten Gefühle
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der Scham oder Blossstellung auftreten, welche die Bewältigung neuer Situationen beeinträchtigen.
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In beiden Theorien lassen sich ähnliche Gründe feststellen, warum die befragten Personen gewisse Tätigkeiten abgelehnt haben könnten. Erstens ist
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Kognition individuell geprägt, und kognitive Muster, wie Überzeugungen
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oder die Selbstwahrnehmung, haben einen Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung. Zweitens ist die kognitive Verarbeitung wegweisend dafür, wie
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