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Hochuli Freund

31.7.17 S. 83

KPG als Beitrag zum ethischen Handeln in der Sozialen Arbeit

Stelle oft moniert, dass ihnen im organisationalen Alltag gar keine Zeit zur Verfügung stehe für eine fundierte Diagnostik und dass dieser konstitutive Teil professioneller Tätigkeit von ihren Organisationen weder gewünscht noch gefördert werde. Es reicht daher nicht aus, wenn einzelne Professionelle sich dafür entscheiden, professionelle Arbeit zu leisten auch die Organisationen müssen den Stellenwert diagnostischer Verfahren und ethischer Reflexion als funktional erkennen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.

2.3

Kooperatives Denken und Handeln

Das hervorstechendste Merkmal des Konzepts KPG ist der konsequente Blick auf Kooperation mit Akteurinnen und Akteuren auf unterschiedlichen Interaktionsebenen. Mit dem Begriff der Koproduktion sozialer Dienstleistungen wird von verschiedenen Autorinnen und Autoren (z. B. Schaarschuch/Schnurr 2004: 317 oder Galuske 2013:51f.) darauf hingewiesen, dass die Wirkung Sozialer Arbeit nie die alleinige Leistung der Professionellen der Sozialen Arbeit ist, sondern immer gemeinsam mit den Klientinnen und Klienten erarbeitet werden muss. Das Strukturmerkmal der Koproduktion verlangt von den Professionellen unabdingbar die Bereitschaft und die Fähigkeit zu Kooperation im Sinn der Ausrichtung der Handlungen verschiedener Akteurinnen und Akteure auf ein gemeinsames Ziel (vgl. Hochuli Freund/Stotz 2015:56). Obwohl diese Aussage längst bekannt und kaum bestritten ist, scheint die Realisierung einer kooperativen Haltung und kooperativer Handlungsvollzüge in der Praxis der Sozialen Arbeit nicht selbstverständlich zu sein warum sonst müsste ein Konzept wie KPG sie explizit einfordern? Schütze umriss die Antwort auf diese Frage bereits vor über 25 Jahren (Schütze 1992:146ff.). Eine der von ihm beschriebenen Fehlerquellen professionellen Handelns liegt darin, dass die Problemlagen von Klientinnen und Klienten oft komplex und diffus sind und dass deren Lebenssituation und Werteorientierung sich oft stark von derjenigen der Professionellen der Sozialen Arbeit unterscheidet. Ein echtes Eingehen auf die Lebensrealität von Klientinnen und Klienten beansprucht Zeit und materielle Ressourcen die aus echter Kooperation möglicherweise hervorgehenden unvernünftigen Entscheidungen oder unrealistischen Wünsche der Klientinnen und Klienten würden die Fallbearbeitung zusätzlich komplizieren. Die Perspektiven der Betroffenen »geraten [daher] in den Blickwinkel der Sozialarbeiter sehr häufig nur als Unordnung stiftende Störfaktoren, die nach Möglichkeit nicht zu fördern, sondern im Gegenteil zu verhindern oder zumindest doch zu behindern sind« (ebd.:157). Regine Gildemeister und Robert Günter bezeichnen Berufe, in denen die von Schütze beschriebenen Fehlerquellen auftreten, als »dirty jobs« (Gildemeister/ Günther 2000:316 in Anlehnung an Hughes:1984). Damit sind die zuarbeitenden Berufe gemeint, die im Rahmen der Etablierung der klassischen Professionen entstanden sind. Die Aufgabe der Angehörigen von »dirty jobs« besteht in der Steigerung des Status und des Wohlbefindens Anderer (vgl. Hochschild 1990:135), indem sie im professionalisierten Umfeld den alltags- und lebens83