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3.1 KiB
Im Gegensatz zu privaten Beziehungen sind professionelle Arbeitsbeziehungen stets zeitlich befristet. Auch wenn vereinzelt der Aufenthalt von Klientinnen auf Dauer angelegt ist – wie beispielsweise in manchen Einrichtungen der stationären Behindertenhilfe –, so gilt dies nicht für die Arbeitsbeziehung: Die Organisation garantiert zwar eine kontinuierliche Begleitung über Jahre hinweg, nicht aber die Kontinuität der Beziehungen zu bestimmten Mitarbeitenden. Die Professionellen nehmen die Aufgaben der Unterstützung wahr im Rahmen ihrer bezahlten Tätigkeit, und sie sind frei, das Arbeitsverhältnis jederzeit zu kündigen. Grundsätzlich sind professionelle Beziehungen durch die ökonomischen und intentionalen Grenzen institutionalisierter Hilfen gekennzeichnet. Die Begrenzung der Dauer der Arbeitsbeziehung und der Häufigkeit der Kontakte sind durch die Geldgeber – staatliche oder auch private Organisationen ( Kap. 2.2.1) – gesteuert. »Diese Begrenzung der Hilfe ist eine Reaktion auf das prinzipielle Dilemma, dass sich jedwede Hilfe, jedwede Förderung jenseits von Mindeststandards prinzipiell unbegrenzt ausweiten lässt« (Heiner 2010:462). Auch von der Intention her soll professionelle Hilfe – von der erwähnten Ausnahme dauerhaften Unterstützungsbedarfs abgesehen – allmählich überflüssig werden und stets dem Prinzip der ›Hilfe zur Selbsthilfe‹ verpflichtet sein ( Kap. 2.2.2). Die Hilfen, welche eine Sozialarbeiterin einem Klienten anbieten kann, sind also in intentionaler und zeitlicher Hinsicht begrenzt.
5.1.2
Pädagogische Beziehungskonzepte
Wir haben in Kapitel 2.1.1 gesehen, dass sich die Sozialpädagogik historisch gesehen insbesondere mit den Entwicklungsproblemen von jungen Menschen beim Hineinwachsen in das gesellschaftliche Umfeld und mit angemessenen Unterstützungsangeboten befasst. So wurde die professionelle Beziehung hier denn auch in einer besonderen Konstellation thematisiert: als Beziehung zwischen einer erwachsenen Sozialpädagogin und einem Kind oder Jugendlichen, zwischen einer erziehenden und einer zu erziehenden Person. Hermann Giesecke (1997) hat in seinem Buch ›Die pädagogische Beziehung‹ aus einer historischen Perspektive verschiedene sozialpädagogische Beziehungsmodelle dargestellt: Angefangen von der pädagogischen Beziehung bei Rousseau und Pestalozzi im ausgehenden 18. Jahrhundert über Bosco und Wichern im 19. Jahrhundert sowie Makarenko, Korczak, Neill und Nohl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er zeigt dabei, wie sich das professionelle pädagogische Verhältnis aus dem familiären Erziehungsverständnis entwickelt hat, wie es in seiner Qualität zunehmend seinen autoritären Charakter verloren hat und stattdessen der Subjektstatus des Kindes betont worden ist. Im Folgenden soll nachgezeichnet werden, wie Giesecke in der Auseinandersetzung insbesondere mit Nohl das Konzept einer professionellen pädagogischen Beziehung entwickelt hat, das den modernen gesellschaftlichen Bedingungen der Demokratisierung, Individualisierung und Pluralisierung im ausgehenden 20. Jahrhundert Rechnung trägt (vgl. Giesecke 1997:18).