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Raw Blame History

negative Erfahrungen mit Hilfssystemen hinweisen. Viele Klienten sehen vor allem die Risiken und Anstrengungen und verspüren deshalb wenig Motivation, etwas Vertrautes zu verändern angesichts einer neuen, noch nicht kontrollierbaren Situation (vgl. Conen/Cecchin 2013:57). In der stationären Kinder- und Jugendhilfe kann die Motivation aus Loyalitätsgründen wenig entwickelt sein, wenn Kinder oder Jugendliche befürchten müssen, dass sie sich bei gewissen Zielen (indirekt) gegen die impliziten Ziele in der Familie stellen müssten. Die wenig vorhandene Motivation kann auch Ausdruck davon sein, dass Klienten in der Vergangenheit gelernt haben, dass Professionelle an ihrer Stelle Probleme definieren, entsprechende Lösungsvorschläge machen und sie damit von der Bürde der Verantwortung entlasten. Wenn die Problemlösung gelingt, können sie sich zurücknehmen, den Erfolg den Sozialarbeiterinnen zuschreiben und auf weitere Hilfe warten. Bei Nicht-Gelingen können sie sich auf ihre bekannte Position zurückziehen: Sie wussten ja, dass dies nichts bringt und wenn es den professionellen Helfern nicht gelingt, kann es nicht an ihnen liegen (vgl. ebd.:59). Der eigene Wille kann auch nicht erkennbar sein, wenn ein Mensch aus welchen Gründen auch immer (fast) kein konsistentes Bild von sich selbst, seinen Bedürfnissen und Wünschen und dem, was für ihn Sinn macht, entwickelt hat (z. B. in der Folge einer Lebenskrise). Ohne Kontinuität im Sein und Wollen (vgl. Fend 1991:84 f.) fehlt dem Menschen die Grundlage für das Formulieren von eigenen Anliegen und damit für das Entwickeln von Zielen. Menschen und insbesondere junge Menschen erleben auch Phasen des Wechsels, in denen sie hin- und hergerissen sind zwischen Altem und Neuem oder zwischen zwei unterschiedlichen Tendenzen (wie z. B. Ich möchte dieses Arbeitsintegrationsprogramm zwar absolvieren, aber ich kann meine Freundin in diesem Zustand nicht allein lassen). In solchen Situationen zeigt sich der eigene Wille nicht in kontinuierlicher, sondern möglicherweise in ambivalenter Weise (vgl. Schwabe 2019:86 f.). In der Jugendhilfe trifft man oft die Situation, dass Jugendliche aufgrund ihrer Entwicklung und ihrer Biografie nur wissen, was sie nicht wollen, nämlich das, was die Erwachsenen sich vorstellen. Es kann auch sein, dass »man sich auch nicht klar darüber [ist], ob man sich klar werden will« (ebd.:87), weil man sich zwischen verschiedenen Impulsen und Wünschen nicht entscheiden kann und für die z. T. widersprüchlichen Regungen keine Sprache besitzt. Viele Jugendliche, die Cliquen angehören, lassen sich vom Mainstream in der Gruppe (fremd-)bestimmen und nehmen dazu einiges in Kauf, um zu verhindern, dass sie weiter von Erwachsenen fremd bestimmt werden. Dialogisches Aushandeln von Zielen Für die Zielfindung ist deshalb ein sorgfältiges, aber auch transparentes methodisches Vorgehen von Sozialpädagogen angesagt. Im bisherigen Prozess des Fallverstehens wurde erkennbar, ob Klientinnen bereits eine minimale Motivation zeigen, irgendetwas verändern zu wollen, und bereit sind, Ziele zu formulieren, oder ob es angezeigt ist, dass die Professionellen vorerst für sich Unterstützungsziele formulieren. In einem gemeinsamen Zielfindungsgespräch geht es darum zu erkunden, welche Wünsche Klienten haben, welche Motive und Absichten damit