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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 281 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Familienorientierung in einem kommunalen Jugendhilfenetzwerk

wegen nicht zu lösender familiärer Konflikte die Kräfte aller Beteiligten übersteigt, wird das Ziel des Wohngruppenaufenthaltes verändert. Dann geht es um die Befähigung des Jugendlichen, mit Unterstützung der Sorgeberechtigten und den Fachkräften zu einer selbstständigen Lebensführung zu gelangen. Hierbei ist es wichtig, die Intensität der Betreuung und Unterstützung immer mehr zu verringern bis hin zur autonomen Übernahme der Lebensführung durch den betreffenden Jugendlichen. 4.3 Ein Fallbeispiel Lisa ist ein Adoptionskind, das mit drei Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder von einem kinderlosen Ehepaar adoptiert wurde. Seit ihrem 13. Lebensjahr gab es Beziehungs- und Erziehungsschwierigkeiten. Sie konnte die Adoptivmutter in ihrer Rolle nicht mehr akzeptieren, verhielt sich provokativ, blieb immer länger von zu Hause weg. Sie besuchte die Realschule sehr unregelmäßig, sodass sie die Schule verlassen musste. Die Eltern beantragten zunächst Familienberatung, da sie in der Erziehung am Ende ihrer Kräfte waren, Lisa sich immer mehr verweigerte und ihre eigenen Wege ging. In der Familienberatung wurde sehr bald deutlich, dass Lisa auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern war. Sie wurde von den Adoptionseltern unterstützt, ihren leiblichen Vater kennen zu lernen, und sie lebte ein halbes Jahr in dessen Familie, um selbst ihre eigenen Familienwurzeln erleben zu können. In der Erfahrung des Unterschiedes entschied sie sich dann für ein Leben in der Adoptionsfamilie. Die Situation in der Adoptionsfamilie war aber durch die mehrjährige Belastung so angespannt, dass besonders die Mutter mit gesundheitlichen Symptomen reagierte und Lisa zunächst nicht wieder aufnehmen wollte. So kam sie nach dem Aufenthalt beim leiblichen Vater in die betreute Wohngruppe, um gemeinsam mit ihren Adoptionseltern einen neuen Weg für ihre Beziehung zu finden. Lisa und ihre Adoptionseltern nahmen aktiv die Chance der Beziehungsklärung wahr. Sie wurde von ihnen aktiv im Alltag unterstützt, z. B. bei den Hausaufgaben. Durch Lisas selbst getroffene Entscheidung für ihre Adoptionsfamilie und die räumliche Trennung entstand erneut eine tragfähige Nähe in der Beziehung. Lisa absolvierte die Hauptschule und zog nach einem Jahr, zu Beginn der Lehre, wieder zu ihren Adoptionseltern zurück.

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