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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 240 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher
turierung von Personen bzw. ihrer Ich-Strukturen, sondern eine mit den Auftraggeberinnen gemeinsam initiierte und auf die Selbstorganisationskräfte des Systems setzende Eigendynamik. Selvini Palazzoli hat dafür eine schöne Metapher in die familientherapeutische Literatur eingeführt: »Es ist wie bei einem kleinen Flüßchen, in dem sich irgendwo soviel Geäst und Blätter angesammelt haben, daß das Wasser nicht mehr frei fließen kann. Man braucht nur den wichtigsten Ast zu entfernen, und das Wasser hat wieder freien Lauf […]. Die Familie sagt: ›Wir haben ein Hindernis, wir haben etwas, das uns davon abhält, frei zu leben.‹ Also tun wir das, was die Familie uns bittet zu tun. Wir ziehen den wichtigsten Ast heraus, das wichtigste Übel, das der Familie das Problem aufzwang, und dann wählen sie selbst, welchem Lauf sie folgen wollen – ob bis zum Delta oder nach rechts oder nach links. Wir wissen nicht, was für diese Familie das Beste ist« (Selvini Palazzoli u. Prata 1983, S. 265). In gemeinsamen Gesprächen werden erweiterte bzw. neue Sichtweisen hinsichtlich der Wahrnehmung, der Bedeutungsgebung und des Verhaltens der Familie eingeführt. Sie regen in der Regel dazu an, neue Lösungsmöglichkeiten wahrzunehmen und auszuprobieren. Es geht also nicht um ein »Durcharbeiten« der Probleme. Im Sinne der Alltagsorientierung Sozialer Arbeit geht es uns vielmehr darum, dass die Familie wieder in den Stand gesetzt wird, die Aufgaben des Alltags sowie die damit verbundenen Schwierigkeiten und eventuellen Krisen wieder aus eigener Kraft zu bewältigen. Dieses allgemeine Ziel lässt sich in kleinere »Zielportionen umpacken«, z. B.:
• ein freundlicher, gelassener und respektvoller Umgangston in der Familie
• konstruktiver Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und unterschiedlichen Handlungsoptionen
• sprechen statt schlagen • die Erarbeitung einiger weniger und deshalb überschaubarer Verhaltensregeln im Familienalltag
• klare Anweisungen der Eltern an die Kinder, was getan werden muss und was verboten ist
• Beziehungsangebote der Eltern an die Kinder (z. B. durch gemeinsame Freizeitaktivitäten, Gespräche bei oder nach den Mahlzeiten, zusammen die Wohnung aufräumen, Begleitung in den Kindergarten) und der Kinder an die Eltern (z. B. indem sie Wünsche formulieren,
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