2.6 KiB
WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 212 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Michaela Herchenhan und Sabine Heppel
Psychologen der KJP erweiterten Runde (Joining – vgl. Minuchin 2000) wählte die Familie die Methode der Live-Skulptur. Erstes Thema war »Die Wahrnehmung der aktuellen Familienbeziehungen«, und Jan stellte seine Familie mit dem Psychologen als seinem Platzhalter auf. In der Folge ging es um den für ihn passenden Platz. Es entwickelte sich viel Dynamik unter den anderen Familienmitgliedern, und am Ende sagte die Mutter zu Jan: »Und jetzt weiß ich, dass du wieder zu mir kommen musst!« Gemeinsam mit dem Psychologen rieten wir zur Langsamkeit und vereinbarten ein drittes Gespräch in zwei Wochen, in dem die bis dahin gefällte Entscheidung über den Ort, an dem Jan leben wollte, konkretisiert werden und die Funktion der Jugendhilfe dabei besprochen werden sollte. Vor dem dritten Gespräch hatte sich die Mutter schon auf den Umzug ihres Sohnes zu sich vorbereitet. Der Entlassungstermin in der Klinik stand fest; die schon vor einem halben Jahr beschlossene Trennung der Mutter von ihrem Freund, dem Vater ihres letzten Kindes, hatte sie konkret durchgeführt und ein Zimmer für Jan mithilfe seines Vaters eingerichtet. Die Einschulung in eine Hauptschule war mit dem Rektor vorbesprochen, und Jan entfaltete in den letzten zwei Wochen viel Aktivität in der Klinik, um als »psychisch gesund« zu gelten. In dieser Sitzung wurden die unterschiedlichen Befindlichkeiten und damit verbundenen Sorgen besprochen, und es wurde nach einer eventuell notwendigen Unterstützung gefragt. Hier war es möglich, dass sich Familientherapeutin und ASD- Mitarbeiterin unterschiedlich positionieren konnten. Auf der einen Seite gab es die Aussage der Familientherapeutin: »Sie haben die Lösung als Familie allein gefunden und schon viele Schritte allein in diese Richtung gemacht – ich empfehle Ihnen, gut zu prüfen, ob Ihre eigenen Fähigkeiten durch Unterstützung von außen eher gestärkt oder geschwächt werden.« Auf der anderen Seite stand die Aussage der ASD-Mitarbeiterin: »Unsere Erfahrung hier im Jugendamt hat gezeigt, dass neue, weit reichende Veränderungen für Familien immer schwierig sind und eine Unterstützung, z. B. Erziehungsbeistandschaft oder Familienberatung, für die erste Zeit sehr hilfreich sein kann.« Der Klärungs-ASD erteilte konkrete Informationen über die Gestaltung von Erziehungsbeistandschaft oder Familienberatung. Die Eltern und Jan waren sich am Ende der Sitzung einig, eine Erziehungsbeistandschaft in Anspruch zu nehmen, allerdings mit geringem Stundenkontingent. Wir forderten die Familie auf, sich dies bis zum nächsten Gespräch noch 212