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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 189 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe

mal Heimweh habe. Es wurde vereinbart, dass vor Aufnahme der Wochenendbesuche bei der Mutter der Kontakt zunächst in der Einrichtung stattfinden solle, später sollte es Tagesbesuche von A. in Begleitung von Erzieherinnen geben. Erst nach dieser Kontaktphase sollte ein Wochenendbesuch in der Verantwortung der Mutter gestaltet werden. Dieser Weg wurde im Hilfeplan festgeschrieben. Das Erzieherinnenteam forderte nach dem Hilfeplangespräch eine kontinuierliche Fallberatung beim Fachdienst an. In der ersten Sitzung wurden die diagnostischen Ergebnisse der Spieltherapie eingebracht und gemeinsam bewertet. Die Heilpädagogin empfahl, dass A. eine männliche Bezugsperson erhalten solle, die alltagsintegrativ über die Gruppenbetreuung hinaus konstant mit A. arbeiten solle und ihm Identifikationsmöglichkeiten bieten könne. Er benötige zur Bearbeitung seiner traumatischen Erlebnisse einen wohlwollend-konsequenten Partner. Diese Unterstützung solle A. nach Abschluss der Spieltherapie angeboten werden. Der fallverantwortliche Kollege beantragte die Hilfe mit einem Umfang von vier Stunden pro Woche als zusätzliche Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung (IZB) mit der Mutter zusammen beim Jugendamt. Dieses gewährte die Maßnahme. Zeitnah übernahm ein erfahrener Erzieher den Betreuungsauftrag. Der Fachdienstmitarbeiter richtete in der begleitenden Fallberatung die Aufmerksamkeit zunächst auf die Rollen- und Auftragsklarheit. Es wurde deutlich, dass erhöhte Betreuungsintensität nur im Verbund mit der Reflexion des Hilfeverlaufes, der beabsichtigten Interventionen und der Kooperation mit den anderen professionellen Teilen des Hilfesystems hilfreich ist. Der fallverantwortliche Erzieher übernahm die Kommunikation mit der Mutter und dem Jugendamt. Der Einzelbetreuer sollte dagegen eine stark anwaltliche Aufgabe für A. übernehmen. In den Fallbesprechungen, die in der Anfangsphase wöchentlich mit Team und Fachdienst gemeinsam stattfanden, wurden Ziele und Vereinbarungen prozessorientiert formuliert, modifiziert und die Arbeit mit der Mutter koordiniert. Sie zeigte sich sehr kooperativ und hielt sich an die Besuchsvereinbarungen; auch die begleiteten Besuche gelangen. Nach ca. einem Jahr wurde mit den Wochenendbesuchen begonnen. Die Mutter hatte die Möglichkeit, den fallverantwortlichen Erzieher anzurufen, wenn sie in Überforderungssituationen geriet. In Gesprächen, an denen sie, der Betreuer, der fallverantwortliche Erzieher und teilweise auch A. selbst teilnahmen und die stattfanden, wenn sie 189