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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 187 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe

Variablen und damit Messgrößen definieren; z. B. ist ein Fragebogen, der die Zufriedenheit der Adressatinnen mit dem Hilfeprozess zu bestimmten Zeitpunkten erhebt, ein solches Messinstrument. Auch die systemischen Skalierungsfragen verdanken sich letztlich der Idee, dass Einschätzungen auch in Zahlen dargestellt werden können. • Attainable verweist auf die Frage, ob die vorab festgelegten Ziele des Hilfeprozesses auch den Ressourcen des Unterstützungssystems (s. Ritscher 2002a) entsprechen und damit für die Auftraggeberinnen erreichbar sind. Hilfreich hierfür ist die gemeinsame (partizipative) Festlegung der Ziele, ihre Differenzierung in Teilziele und ihnen zugeordnete Handlungsschritte sowie ihre stete Überprüfung und eventuelle Korrektur. • Relevant + related bezieht sich auf die grundlegende Voraussetzung jeder nützlichen Intervention, dass sie im doppelten Sinne bedeutsam für die Adressatinnen des Unterstützungsangebotes ist: Sie muss sich an wichtige Themen und Elemente des Systems ankoppeln und den Beziehungssinn aller Äußerungen und Verhaltensweisen der Systemmitglieder beleuchten. Related verweist außer auf den Beziehungssinn auch auf die Notwendigkeit des Joinings (P. Minuchin, Colapinto u. S. Minuchin 2000): Nur im Rahmen einer tragfähigen Beziehung zwischen Sozialarbeiterinnen und Adressatinnen werden Interventionen zu einem Reflexions- und Veränderungsangebot für die Adressatinnen. • Time-based stellt die Perspektive der zeitlichen Begrenzung einer Hilfe in den Mittelpunkt. Die Sozialarbeiterinnen gehen dabei von der Leitidee aus, dass sich jede Hilfe direkt oder indirekt auf die Entwicklung von Ressourcen bezieht und zu lange Hilfeprozesse chronifizierte Abhängigkeiten fördern. Die Rollenasymmetrie zwischen Helferinnen und Hilfeempfängerinnen sollte deshalb von Anfang an durch »gemeinsames Handeln« (B. Müller 1993) dekonstruiert werden.

(Vgl. zum SMART-Modell auch Abschnitt 3.3.) 3. Drei Fallgeschichten 3.1 Familienorientierte, multiperspektivische und vernetzte systemischen Arbeit im Heim A. wurde als Neunjähriger in unsere koedukative, vollstationäre Gruppe aufgenommen. Aufnahmegrund war sein Wunsch, nicht mehr in seiner Familie zu leben. Dies äußerte er gegenüber den Kolleginnen der Tagesgruppe, die ihn in seiner ca. 100 km entfernten Heimatstadt betreuten. Er wiederholte diese Bitte auch gegenüber der Mitarbeiterin des Jugendamtes. Alle an der Betreuung Beteiligten waren schon 187