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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 161 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

  1. Sozialräumliche, integrierte und flexible Jugendhilfe im Gemeinwesen

Insgesamt wurde ein hoher Veränderungswunsch deutlich, vor allem bei den Mädchen. Dies führte zu der Entscheidung, das Projekt fortzusetzen. • Danach sollten die Schülerinnen und der Lehrer im Rahmen einer Selbst- und Fremdeinschätzungsübung Vermutungen darüber äußern, wer sich in der Klasse wohl bzw. unwohl fühlt. Es wurde sehr deutlich, dass einige Schülerinnen ausgegrenzt wurden. Dies betraf vor allem die stilleren, eher noch kindlicheren. Von den vermeintlichen »Tätern« vermuteten die anderen Schülerinnen, dass sie sich wohl in der Klasse fühlten. Eine Schülerin meinte, dass sich der Lehrer in der Klasse wohl fühle, weil er Strafen verteilen könne. Der Lehrer berichtete, dass er sich mit den Jungen gerne im Sport messe und bei Spielen oft mitmache. Die Mädchen schlugen ihm gegenüber teilweise einen rollenunangemessen kumpelhaften Ton an. So entstand die Hypothese, dass der Lehrer eine Rollenunklarheit in der Klasse verursache, indem er sich manchmal autoritär verhalte und sich dann wieder konkurrierend auf die Ebene der Schülerinnen begebe. Bezüglich der Klasse wurde die Hypothese formuliert, dass die Schülerinnen nicht wissen, welches Verhalten von ihnen verlangt werde und auch ihre Position in der Klasse immer wieder infrage gestellt werde. • In einer Klassenskulptur, gestellt vom Klassensprecher, wurden die Beziehungen noch deutlicher. Es zeigte sich, dass es eine große Gruppe mit dominanten Mädchen und dominanten Jungen gab. In dieser Großgruppe herrschte so viel Gedränge, dass eine Konzentration auf andere Dinge nicht möglich war. Eine Vierergruppe von Jungen stand abseits, drei Mädchen bildeten eine eigene Gruppe, ein Mädchen stand alleine, die Vierergruppe der Jungen schaute zu der Großgruppe. Nachdem diese Skulptur, die den aktuellen Zustand in der Klasse widerspiegeln sollte, gestellt war, fragten wir die Schülerinnen zirkulär, wie es den jeweils anderen Schülerinnen in ihren Positionen gehe. Danach ließen wir sie ihre Wunschskulptur stellen. In diesem Prozess sollten sie so lange ihren Platz suchen, bis er für alle passend sei, gegebenenfalls auch mit Verhandlungen. • Danach folgte ein Klassengespräch, in dem wir vor allem auf die Metaebene gingen und die Vor- und Nachteile der jeweiligen Konstellationen thematisierten. Zudem wurden verschiedene Schritte besprochen, wie man der Wunschskulptur näher kommen könnte. Für das allein stehende Mädchen wurde eine Patenschaft eingerichtet. Dies bedeutete, dass sich das Mädchen regelmäßig mit einer Mitschülerin bzw. einem Mitschüler darüber austauscht, was sie tun kann, um mehr in die Klasse integriert zu werden, was sie sich von den Mitschülerinnen wünscht, wie es ihr gerade geht usw. Diese Patenschaft lief über einen festgelegten Zeitraum und sollte gegebenenfalls auch

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