2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/512.md

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512
Forschung und Qualitätssicherung
Traumapädagogische Forschung umfasst folglich zum einen die (Weiter-)Entwicklung traumapädagogischer Wissensbestände, Grundhaltungen und Vorgehensweisen entlang von Grundlagenforschung und angewandter Forschung aus
den Bereichen Soziale Arbeit und Bildung, zum anderen die Ableitung traumapädagogischer Methoden aus psychotraumatologischer Grundlagenforschung und
angewandter Forschung, epidemiologischer Forschung zur Häufigkeit (Prävalenz) von traumatischen Erlebnissen, zu Symptomen von Traumafolgestörungen
und ihren Korrelaten sowie theoriebildende Forschung zum spezifischen pädagogischen Bedarf von komplex traumatisierten Klient*innen und ihren Familiensystemen. Insbesondere aus der aktuellen Diskussion des bestehenden Fachpersonenmangels bedarf es hier mindestens im gleichen Maße auch epidemiologischer
Studien zur Mitarbeitendenbelastung. Auch Wirkungsforschung und Evaluation
von traumapädagogischen Konzepten auf der Ebene der Organisation, der
Fachpersonen, der zuweisenden Behörden, der Kooperationen sowie Netzwerke
in der psychosozialen Hilfelandschaft, der gesellschaftspolitischen Entwicklungen als normativer Rahmen und der Ausbildungsforschung gehört zu den Aufgaben einer sinnvollen Forschung im traumapädagogischen Bereich. In ihrer
Forschungsorientierung muss traumapädagogische Forschung folglich eine große Methodenflexibilität mitbringen, was wiederum Transdisziplinarität bezüglich Haltung und Wissen der forschenden Mitarbeitenden erfordert. Diesen notwendigen Forschungsperspektiven stehen jedoch auch Probleme gegenüber, die
im folgenden Abschnitt zusammen mit einigen Lösungsvorschlägen diskutiert
werden.
Wie sollte beforscht werden?
Ziel der Forschung im Bereich der Traumapädagogik ist die Optimierung von
Hilfeprozessen durch die Erhöhung der emotionalen Stabilität und der Selbstwirksamkeit aller an diesem Prozess Beteiligten, also der Klient*innen und ihrer
Familiensysteme sowie aller Mitarbeitenden. Die Empirie muss sich folglich primär um die Erforschung der dafür erforderlichen Grundlagen und der Hilfepraxis ranken. Bisher mangelt es an empirischen nationalen wie internationalen Beiträgen einer solchen interdisziplinär orientierten Praxisforschung und ebenso
an einer für dieses Anliegen notwendigen Grundlagenforschung. Wir erfahren
und wissen noch zu wenig darüber, welche Hilfeangebote wie wirken und warum, z. B. Jugendhilfe mal mehr und mal weniger erfolgreich ist. Psychosoziale
Praxis ist tatsächlich auch schwer zu (er-)fassen, sie hat unter Forschungsgesichtspunkten einige für die in der Psychologie und Medizin bewährten evidenzbasierten Ansätze erschwerende Blackbox-Eigenschaften.
Psychosoziale Praxis ist in ihrer Komplexität und mit ihren Adressaten (deren