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2.2 KiB

Trauma als relationales Konzept

Transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungen Ilka Quindeau und Marianne Rauwald

Seit den massiven kollektiven Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts ist die Weitergabe einer Traumatisierung von der einen Generation an die nächste inzwischen klinisch vielfach belegt worden. Ausführliche Fallgeschichten liegen insbesondere aus dem Bereich der Holocaustforschung vor (Auerhahn/Prelinger 1983; Bergmann/Jucovy/Kestenberg 1995; Faimberg 2009; Kestenberg 1972; Kogan 1998; Kogan 2009; Pines 1993). Theoretische Konzeptualisierungen dieses Vorgangs gibt es hingegen weit weniger. Eine Ausnahme bilden Faimberg mit ihrem Konzept des Teleskoping und Kogan, die mit ihrem Begriff der globalen Identifizierung die umfassende, die Traumatisierung einschließende enge Bindung zwischen traumatisierten Eltern und ihren Kindern zu erfassen versuchen. Erste Überlegungen zu der belasteten Entwicklung von Kindern greifen frühe Ansätze von Khan (1963/1997), Winnicott (1984) oder Greenacre (1959) auf. Ausgehend von diesen frühen Überlegungen sollen im Folgenden aktuelle Konzeptionen einer Transmission von Traumata an die nachfolgende Generation vorgestellt werden.

Trauma als relationales Konzept In einem Standardwerk der allgemeinen Psychotraumatologie konzeptualisieren Fischer und Riedesser (2009) das Trauma als relationalen Begriff. Es besteht nicht lediglich in einem äußeren Ereignis (wie etwa Krieg, Unfall, Erdbeben oder politische Verfolgung), sondern wird verstanden als »vitales Diskrepanzerleben zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt« (Fischer/Riedesser 2009, S. 82). Als erstes Resultat stellt sich die Erfahrung von Wirkungslosigkeit ein und das Gefühl, der Lebensbedrohung wehrlos ausgeliefert zu sein. Als Reaktion auf das lebensbedrohende Ereignis folgen charakteristische, bipolare Verhaltens- und Erlebensweisen: Es wechseln dabei permanent die Zustände von Intrusion (d. h. wiederkehrenden Erinnerungsbildern, häufig in Form von Alpträumen oder und Verleugnung (im Englischen mit dem sehr angemesse-

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