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Trauma und Gesellschaft
Trauma und Gesellschaft Zum Verhältnis von Bewältigung und Anerkennung Maximiliane Brandmaier und Klaus Ottomeyer
Einleitung Traumatische Erlebnisse finden immer in kulturellen und soziopolitischen Kontexten statt, welche nicht nur den Verlauf der Bewältigungsprozesse, sondern auch gesellschaftliche und professionelle Herangehensweisen an Traumata beeinflussen. Auch scheinbar Unbeteiligte spielen eine Rolle im Verhältnis von Trauma und Gesellschaft. Häufig leiden die Opfer zusätzlich zu psychischen Folgen an gesellschaftlicher Marginalisierung, Ausgrenzung oder gar Missachtung. Traumatische Belastungen entstehen innerhalb gesellschaftlicher und interpersoneller Machtund Ausschlussprozesse, aus denen strukturelle, institutionelle und interpersonelle Gewalt hervorgeht (Schulze/Loch/Gahleitner 2020). Trauma geht einher mit der Zerstörung einer kohärenten, bedeutungsvollen Realität und eines Gefühls der Vertrautheit und Vorhersagbarkeit der (sozialen) Welt und beeinträchtigt die gesellschaftliche Teilhabe und Handlungsfähigkeit der Überlebenden, durch welche die kontinuierliche Konstruktion eines kohärenten und als wertvoll geschätzten Selbst erfolgt (van Dijk 2001). In der gegenwärtigen psychotraumatologischen Fachliteratur spielt das Verhältnis von Trauma und Gesellschaft leider nur am Rande eine Rolle, in der Traumapädagogik wird hingegen immer wieder auf gesellschaftspolitische und soziale Dimensionen von Trauma hingewiesen (Schulze/Loch/Gahleitner 2020; Weiß 2023).
Individualisierte Sicht auf Trauma in der Psychotraumatologie Die Psychotraumatologie konzentriert sich überwiegend auf die individuelle Psychopathologie der Reaktionen auf Trauma; im Fokus steht nach wie vor die ›Posttraumatische Belastungsstörung‹ (PTSD), obwohl es viel Forschung und Behandlungsansätze zu komplexen Traumafolgestörungen gibt (Courtois/Ford 2011) und die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung mittlerweile auch Eingang in die Diagnosemanuale DSM-5 und ICD-11 gefunden hat. Die PTSD wurde als psychiatrische Diagnose in Folge des Vietnamkriegs in das Diagnosemanual DSM-III eingeführt. Auch vorherige Traumakonzepte hatten konkrete historische oder so-