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Die Verflechtungen von Trauma und Schuld
Einfache Schuldfreisprechungen vonseiten der pädagogischen Fachkräfte, wie »Es ist nicht deine Schuld«, sind oftmals wirkungslos. Feiring et al. (2002) betonen sogar, dass Erwachsene so bei den Kindern Vorstellungen über Erwartungen an sie generieren, sodass die Gefahr besteht, dass sie über ihre wahren Überzeugungen und Glaubenssätze, im Sinne der Anpassung und sozialen Erwünschtheit, schweigen. Das therapeutische Umfeld sollte einen sicheren Raum schaffen, der es dem Kind ermöglicht, über eigene individuelle traumabezogene Überzeugungen und Verantwortungszuschreibungen offen zu sprechen. Erst wenn überhöhte Selbstvorwürfe auf ihren Realitätsgehalt geprüft werden, kann ein positiveres Selbstbild etabliert werden (Herman 2014). Betroffene schweigen unter Umständen jedoch jahrelang. Gerade wenn der Missbrauch in der Familie geschieht, wird womöglich bestrebt, das »Familiengeheimnis« zu hüten. Gelingt es Betroffenen, das Schweigen zu brechen, kann dies zur eigenen Entlastung von Schuld und Scham und zur Zuschreibung dieser an die Täterinnen beitragen (Herman 2014, S. 285). Es wird deutlich, dass das soziale Umfeld und dessen Reaktion eine zentrale Rolle für den Umgang mit traumatischen Erfahrungen spielt. So kann soziale Unterstützung auch noch bei der Verarbeitung von Kindheitstraumata im Erwachsenenalter eine Schlüsselrolle darstellen (Evans et al. 2013). Gruppeninterventionen können einen positiven Effekt auf die Bearbeitung von Schuldgefühlen haben, denn das Teilen des Erlebten mit anderen Betroffenen kann ein Umdeuten der eigenen Kindheitserfahrungen begünstigen und dabei helfen, eigene Verantwortungszuschreibungen realistisch zu hinterfragen (Gorey et al. 2001). Zusätzlich belastend und komplex sind Situationen, in denen eine Täter*in das Kind missbrauchend miteinbezieht und es, z. B. an anderen Kindern sexuelle Handlungen vornehmen lässt oder es im Zuge eines »Wiederholungszwangs« (der auch immer im Dienste der Überwindung der traumatischen Situation stehen möchte) später nachgeahmt werden muss. Hier können im weiteren biografischen Verlauf massive Schuldgefühle entstehen, wenn später anders über die Folgen der eigenen Handlungen reflektiert wird und bereits erwähnte »Rückschaufehler« gemacht werden oder die Rolle der Absicht (z. B. die Intention sich selbst zu schützen) im Nachhinein nicht mehr bewusst ist. Entzerrendes Differenzieren der einzelnen biografischen Bausteine fördern das Selbstverstehen.
- Absichtslos schuldig, den Tod anderer verursacht Bereits Kinder und Jugendliche können in Situationen geraten, in denen sie den Tod oder eine schwere körperliche Verletzung anderer (mit-)verursachen, sei es in Folge der Verursachung eines Unfalles oder einer risikobereiten Teilnahme im Straßenverkehr. Kommt es zur Verursachung von schwerer Verletzung oder Tod durch Jugendliche, wird von rechtlicher Seite zunächst deren Reife zur Einsichts-
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