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308
Behindert uns nicht!
Entwicklung kognitiver, sozialer, emotionaler und motorischer Entwicklungsprozesse behindert« (Lang, Th. 2013, S. 188).
Hilfreich hierfür ist das von Barbara Senckel entwickelte Konzept der Entwicklungsfreundlichen Beziehung. »Bei ihrem Vorgehen orientiert sich die Entwicklungsfreundliche Beziehung an der Vorstellung, dass sie dem Individuum durch
ein korrigierendes Beziehungsangebot die Chance eröffnet, alte innere Konflikte
zu bewältigen, so dass die Entwicklungsblockade aufgelöst und aufbauende Erfahrungen gesammelt werden können, wodurch eine Nachreifung einsetzt« (Senckel
2001, S. 4).
Eine zuverlässige Bindung ist der Ausgangspunkt für Exploration und setzt
damit Anreize für die Autonomieentwicklung. In der Exploration geht es darum,
die Umwelt zu erkunden, kennenzulernen und zu begreifen. Anreize für eine Autonomieentwicklung zu setzen heißt auch, die Umwelt immer so auszustatten,
dass sie transparent gestaltet ist, dass Raum, Zeit und Handlungen vorhersagbar,
durchschaubar und handhabbar gestaltet sind. Insbesondere im Bereich der
schwerstmehrfachbehinderten Menschen hat die ursprünglich für die Arbeit mit
autistischen Kindern entwickelte TEACCH Methode (Häußler 2002) wertvolle
Anregungen und praktische Vorschläge gegeben. Ziel ist es, Strukturen, die in
Raum, Zeit, Handlungen und Aufgaben liegen, verstehbar aufzuarbeiten und somit eine Umwelt zu gestalten, die das größtmögliche Maß an Orientierung bietet,
um Sicherheit zu geben und damit Strukturen der Willkür, Unsicherheit und gefühlten Unendlichkeit aufzuheben.
Das Gefühl erlebter Sicherheit ermöglicht es auch, Verhaltensweisen wie Selbstverletzung, Schreien usw. abzubauen, die die Aufgabe haben, innere Spannungen
auszugleichen.
Das Wecken und Aufrechterhalten von Neugier auf die Personen und die Dinge in der Umgebung ist eine anspruchsvolle pädagogische Aufgabe, deren Herausforderung unter anderem darin liegt, die Ausdauer und Geduld mitzubringen, die Angebote aufrechtzuerhalten und auch kleinste Entwicklungsschritte
sehen zu können, um der Ohnmacht des scheinbaren Stillstandes in der Entwicklung standzuhalten und handlungsfähig zu bleiben. Haltgebende Strukturen über die klare Gestaltung der Umwelt und über die eigene Person zu vermitteln und dabei die Balance zwischen Sicherheit/Stabilität und Über- oder/und
Unterforderung zu finden, verlangt ein besonderes Feingefühl für die individuellen Bedarfe der Menschen. Insbesondere in der Arbeit mit erwachsenen Menschen, die in vielen Facetten ihrer Person und Persönlichkeit nicht den Vorstellungen einer erwachsenen Person in dieser Gesellschaft entsprechen, ist die
Herausforderung, eine Begegnung zwischen Erwachsenen in Würde und auf
Augenhöhe zu gestalten.