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Pflegekindschaft: Chancen für traumatisierte Kinder in neuen Eltern-Kind-Beziehungen

terhin seine berechtigte Wut gegen sie zu richten, nun aber in erlaubter Form, ohne seine Pflegemutter zu verletzen.

Manchmal kann es auch hilfreich sein, die Gefühle und Handlungsimpulse, die ein Kind bei den Pflegeeltern auslöst, genauer zu erforschen und einzuordnen. Diese Gegenübertragungen oder »Gegenreaktionen« (König 1993, S. 16) der Pflegeeltern können unterschiedlich verstanden werden. So empfinden Pflegeeltern Mitgefühl, wenn sie sich auf ein Kind einlassen. Oder sie nehmen Gefühle wahr, die einem Kind noch nicht zugänglich sind. Oft entstehen auch Ohnmacht oder »Retterfantasien«. Natürlich gibt es auch Gefühle, die wenig mit dem Kind, sondern mit der eigenen Geschichte der Pflegeeltern zu tun haben. Es können aber auch tabuisierte Gefühle von Aggression oder sexueller Lust sein, die im Kontakt mit dem Kind entstehen und Hinweise zu seiner Geschichte mit den Herkunftseltern geben. Oder auch Gefühle, die ganz anders verstanden werden müssen (Weiß 2024, S. 274ff.). Eine beratende Fachkraft kann helfen, diese Ansteckungen zur Sprache zu bringen, sie als Kompetenz zu schätzen, Distanz zu gewinnen, eine angemessene Selbstreflexion zu ermöglichen und konstruktiv mit ihnen umzugehen. Kein Kind ist nur ein verletztes, enttäuschtes oder nicht angenommenes Kind. Es ist auch ein Kind mit eigenen Interessen, Stärken, Meinungen und Hoffnungen, mit eigenen Motiven, etwas zu bewirken. Auch auf seinen Kraftfeldern benötigt es Eltern, die es in seiner »Selbstbemächtigung« (Weiß 2016, S. 93ff.) unterstützen. Hier kann eine Beratungsfachkraft den Pflegeeltern helfen, diese Ressourcen in den Blick zu nehmen und sie zu unterstützen. Pflegekinder benötigen Eltern auch als Erwachsene, die für sich selbst und füreinander sorgen, als Personen, die zwar Rücksicht nehmen und eigene Bedürfnisse aufschieben, aber auch an ihre eigene Zufriedenheit denken. So sollte Beratung, auch im Sinne Lisas, die persönlichen Belange der Pflegeeltern in den Blick nehmen. Sie sind ja nicht nur einfühlsame Eltern, sondern auch Modell für einen achtsamen Umgang mit sich selbst. Eine Beraterin und auch ein Jugendamt sollten Pflegeeltern unterstützen, Entlastungsmöglichkeiten zu finden und nutzen. Das kann im Einzelfall eine Haushaltshilfe sein, Hilfen bei der Klärung mit der Schule, den Nachbar*innen oder den Verwandten, die Organisation eines freien Abends für die Pflegeeltern, für jugendliche Pflegekinder ein tolles Programm außerhalb der Familie oder in einer Krisensituation eine vom Jugendamt bezahlte Auszeit und Entlastung von vielen Verpflichtungen, auch wenn sie in die Schulzeit fällt. Hier geht es nun in der Beratung mindestens um eine Anerkennung des oft unglaublichen Einsatzes für ihr Kind, aber auch darum, was die Pflegeeltern für sich brauchen, was ihnen guttut und was natürlich dem Kind nicht schadet.