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Zur Arbeit mit Herkunftseltern
nen Bedürfnisse ernst zu nehmen, sich um sie zu kümmern und ein sinnvolles
Leben ohne ihr Kind zu führen (Nienstedt/Westermann 2007, S. 181219).
Zu Anfang, manchmal auch später, hilft es traumatisierten Kindern, wenn Eltern Verantwortung übernehmen und sehen, welchen Preis ihr Kind bezahlen
musste und was es eigentlich gebraucht hätte. Anders als bei Schuldgefühlen, bei
denen es wieder um die Eltern geht, hilft eine Verantwortungsübernahme ohne
Versöhnungsanspruch den Kindern, wieder eigene Gefühle zu spüren, manchmal
Trauer und manchmal auch Wut. »Es tut mir leid« statt »Entschuldigung«. Das
Kind braucht nicht mehr die Bedürfnisse der Erwachsenen zu erfüllen, die nichts
mehr verlangen: keinen Trost, keine Vergebung, keine Postkarte, keinen Besuchskontakt, keine Dankbarkeit. Wenn dann Eltern anerkennen, dass sie nicht in der
Lage sind, ihr Kind zu erziehen und sich freuen, wenn es ihm woanders gut geht,
werden Loyalitätskonflikte abgemildert oder sogar aufgelöst. Lisa würde es auch
entlasten, wenn sie von ihrer Mutter glaubhaft erfahren würde, dass ihr jüngerer
Bruder gut versorgt ist und auch sie selbst gute Hilfe bekommt und annimmt.
Mehr als die Hälfte aller Eltern, deren Kinder vorübergehend in der Therapeutischen Übergangshilfe leben, sind mit Unterstützung in der Lage, einen Verantwortungsbrief zu schreiben oder im Gespräch mit ihrem Kind Verantwortung
zu übernehmen. So ein Brief hilft den Kindern, oft mehr noch den Eltern selbst.
(Janning 2018, S. 169-204; Janning 2023, S. 1530).
BEISPIEL
Lisas Mutter: »Ja, es stimmt. Ich habe oft lange im Bett gelegen, geweint und keine Kraft
gehabt, dich zu wecken, dir Frühstück zu machen, ein Essen zu kochen, dir zuzuhören
oder dich in die KITA und später in die Schule zu bringen. Auch um deinen Bruder habe
ich mich nicht gekümmert. Du hast viel Angst um mich gehabt, mich versucht zu wecken, zu trösten oder mir Essen zu geben. Ich sehe, was es dich gekostet hat. Du hättest
eine Mutter gebraucht, die stark ist und fröhlich, die dir zuhört, Spaß mit dir hat und die
sieht, was du brauchst. Ich konnte und kann auch heute keine Mutter für dich sein. Das
tut mir leid. Ich habe nun die Frau Schmitz, die sich gut um mich kümmert. Ich sorge nun
dafür, dass ich ein gutes Leben habe. Das ist nicht deine Aufgabe. Dein Bruder lebt nun
in einer Pflegefamilie. Ich wünsche dir, dass du nun auch Erwachsene findest, die gut für
dich sorgen. Ich freue mich, wenn es dir da gut geht. Deine Mutter«
Mit zunehmender Sicherheit der Kinder können schließlich auch Besuchskontakte eingestellt werden, sodass ein Kind frei ist, sich auf neue Eltern-Kind-Beziehungen einzulassen. Idealisierungen, Sorge um die eigenen Eltern, Überanpassung
oder auch Angstbindungen sind nicht mit erhaltenswerten Bindungen zu verwechseln (Nienstedt/Westermann 2007, S. 220ff.; Tenhumberg 2023; Scherwath
2015). Eine Vermittlungspraxis, die sich nicht an dem Ziel orientiert, die Beziehungen zu den Herkunftseltern zu erhalten, sondern neue Eltern-Kind-Beziehun-
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