2.8 KiB
Was hilft?
schen sich die Horrorbilder mit großen Verlustängsten, Panik und der hohen Anforderung, mit dieser Situation zurechtzukommen. Er spricht nicht. Jim versteht überhaupt nicht, warum er so anders als alle anderen Kinder ist. Immer öfter fällt sein Name im Kitaalltag, immer mehr spürt auch die Familie, dass etwas »nicht stimmt«. Zu so vielen Ärzten und Psychologen Jim geht, immer mehr wird das geduldige Erklären zum Genervtsein. Jim gerät in Stress, das Karussell im Kopf dreht sich immer schneller und er rastet aus. Luise muss den Missbrauch längere Zeit überstehen, Lügen und schlechte Geheimnisse gehören zu ihrem Alltag, mit niemandem darf sie reden, an gute Beziehungen glaubt sie nicht mehr. Sie probiert uns aus, aggressiv wehrt sie alles ab, was für sie nicht existenziell nötig ist. Luise darf nicht krank werden, derartige Kontrollverluste sind lebensbedrohlich. Luise wird erst durch die Intervention des Jugendamtes geschützt. Erics Mutter hat blonde Haare und einen Pferdeschwanz – wie die junge Kollegin, Eric hat einen Flashback. Sein Verhalten kann Ohnmacht auslösen und wütend machen. Erst wenn wir verstehen, welches Bild er vor sich sah, wird man handlungsfähig. Ich hätte das wissen und ihn besser festhalten können. Die junge Kollegin hat Eric entlastet, sie verstehe die Situation. Ich habe mich dafür entschuldigt, dass ich ihn nicht besser geschützt habe und ihm erklärt:» Das war nicht deine Mutter, aber du hast das Bild von ihr gesehen.« Niklas weiß nichts mehr von seiner schweren Traumatisierung, er handelt aber genau aus dem heraus, was er erlebte. Bedroht ihn etwas, verweigert man ihm das Essen, kann er sich nicht jederzeit unter dem Schrank verstecken, dann rastet er aus. Wir hatten keine Lösung, wir konnten ihn nicht laufen lassen. Alle Verhaltensweisen der Kinder, die uns manchmal im Alltag stören, sind entwicklungslogisch. Die Annahme des guten Grundes führt zu einer »freundlicheren und positiveren Einstellung gegenüber dem Kind« (Wittmann 2015, S. 33), sie macht die Arbeit leichter und schöner. Für die betroffenen Kinder ist die Suche nach den Gründen für ihr Verhalten – Verhalten, das sie auch selbst stört – entlastend. Suchen wir mit ihnen, fragen wir sie »Du tust das, weil?« (Weiß 2013, S. 122). »Würdigung und Wertschätzung dieser notwendig gewordenen Verhaltensweisen sind ein entscheidender erster Schritt, um den Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, ihr belastendes Verhalten im Kontext seiner Notwendigkeit zu reflektieren und möglicherweise alternative Verhaltensweisen zu entwickeln« (BAG Traumapädagogik 2011).
Was hilft? Mittlerweile verfügen wir über ausreichendes Wissen über die Auswirkungen von akuten und chronischen Traumata auf Kinder in ihren Entwicklungsphasen (Py-
235