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Sekundäre Traumatisierung
Professionellen eine Konfrontation mit den zentralen Folgen der Gewalt auf den
Ebenen Zeit, Individuum, soziale Gruppe, Familie, Team, Institution, Familie, Gesellschaft.
Disempowerment: Die den Kolleg*innen anvertrauten jungen Menschen wurden überwältigt, erfuhren die Mitwelt als Gegenwelt, verloren das Vertrauen in
sich und andere. Kolleg*innen begegnen in der Interaktion mit den Kindern den
Folgen von Bedrohung, Zerstörung und Verlust. Sie geraten dabei oft an die Grenzen des eigenen professionellen Selbstwirksamkeitserlebens, spüren Irritation,
Hilflosigkeit und Wut. Ganze Teams können in eine Verfassung der Lähmung,
Auszehrung und Desorganisation geraten, sodass sie sich als handlungsunfähig
erleben. Die Erfahrung von Disempowerment und sekundäre Traumaexposition
können sich zirkulär verstärken. In diesem rekursiven Geschehen können die Bewältigungsmechanismen von Kolleg*innen überfordert werden mit der Folge,
dass die Gefahr sekundärer Traumatisierung weiter steigt.
Fragmentierung: Zersplitterung, Verlust und Vermeidung von Erinnerungen
sind ein Kennzeichen individueller Traumafolgen (PTBS). Die fragmentierende
Wirkung psychosozialer Gewalt kann aber auch auf anderen Ebenen beschrieben
werden: Die Familien von Kindern sind zerstritten, es gibt Spaltungen in Teams
und zwischen verschiedenen helfenden Institutionen. Christian Pross schreibt
über Arbeitsfelder, in denen Flüchtlinge begleitet werden:
»Unter den Kollegen dort habe ich sehr viel Leid und Not gesehen. Es hat viele persönliche Brüche gegeben mit Menschen, mit denen man einmal sehr eng
und vertrauensvoll zusammengearbeitet hat. Viele haben das Feld teilweise im
Streit verlassen und sind bis heute nur schlecht und recht darüber hinweggekommen« (Pross 2009, S. 22).
Problemkreisläufe: Die Entstehung von sich wiederholenden destruktiven
Kreisläufen wurde für Arbeitsfelder der Traumapädagogik exemplarisch und gut
nachvollziehbar von Martin Kühn beschrieben, indem er darauf eingeht, wie
traumatisierte Jugendliche von überforderten Helfer*innen in andere Hilfemaßnahmen verwiesen werden, es auch dort zu Überforderung und Abbruch von
Beziehungen und zu erneutem Wechsel von Maßnahmen kommt. Eine Reaktionskette in der »Eskalation von Hilfen« (Kühn 2006). Zurück bleiben bei den
Pädagog*innen ein Gefühl des Scheiterns und Zweifel an der eigenen Professionalität, eine destabilisierte Verfassung, die auch bedeutet, dass der Umgang mit
sekundärer Traumaexposition erschwert ist und sekundäre Traumatisierung
wahrscheinlicher wird.