2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/201.md

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Erfahrungen aus der Praxis und ein Plädoyer
sein. Ob in der Schule, im Bus, bei Ärzt*innen, in Behörden, bei der Arbeit, im
Supermarkt, bei der Polizei, auf dem Wohnungsmarkt, überall gibt es ob bewusst
oder unbewusst rassistische Diskriminierung oder die Gefahr einer solchen. Oft
sind es augenscheinlich sehr banale Situationen, in denen Menschen aus ihrer
Machtposition heraus objektivieren, ignorieren oder das Recht auf Individualität
absprechen. Diese Mikroaggressionen können jedes Mal Minderwertigkeitsgefühle, Angstzustände, Aggressionen, Gefühle von Ohnmacht, Traurigkeit erzeugen.
Dennoch werden die Erfahrungen von den Betroffenen selbst oft klein geredet. Sie
machen dicht, es ist für sie kein Thema oder sie internalisieren den erlebten Rassismus sogar. Diese Konstante schlägt auf die Psyche. Durch die ständigen (potenziellen) Angriffe stellt sich im Laufe des Lebens bei den Menschen das Gefühl ein,
dass sie eine »Schutzmauer« brauchen, um nicht krank zu werden. Oft fehlen jedoch die Ressourcen, um sich effektiv zu schützen bzw. gegenseitig zu unterstützen. Viele psychosoziale Angebote oder gesellschaftliche Diskussionen ignorieren
das Thema, was zu einer Verstärkung von Ohnmacht und Wut bei den Betroffenen
führt. Vor allem aber schürt es Misstrauen und das Gefühl, im eigenen Alltag nicht
sicher zu sein. Auch Einsamkeit und das Meiden von Räumen, in denen die weiße
Mehrheitsgesellschaft dominiert, können Folgen sein.
Wie können von Rassismus Betroffene in gesellschaftlichen und
psychosozialen Kontexten besser unterstützt werden?
Um als Gesellschaft wachsen zu können, ist es gerade im Bereich der psychosozialen Arbeit notwendig, sich mit den Wirkungsmechanismen von Rassismus und
den möglichen Folgen auseinanderzusetzen und diese im Alltag aufmerksam zu
beobachten. Meist fällt es Betroffenen schwer, ihre schlimmen Diskriminierungserfahrungen und die daraus resultierenden Gedanken oder Gefühle zu benennen.
Es kann ihnen sehr helfen, wenn Berater*innen, Psychotherapeut*innen und So­
zialarbeiter*innen anbieten, schlimme Erfahrungen zu besprechen und sie gemeinsam einzuordnen. Dabei ist es wichtig, nicht immer den (ansonsten sehr
wertvollen) Prinzipien der Neutralität und Allparteilichkeit zu folgen, da dies dem
Erhalt von Machtstrukturen und Privilegien dient. Es ist wichtig, im Fall von Rassismus Position zu beziehen (»Das hätte nicht passieren dürfen.«). Auch kann es
manchmal bedeutsam sein, den Betroffenen Raum zu geben, verpasste Chancen
und Entfaltungsmöglichkeiten aufgrund von Rassismuserfahrungen zu betrauern
(Laabdallaoui 2024). Die strukturelle Verankerung von Rassismus in unserer Gesellschaft und unseren Köpfen wahrzunehmen und kritisch zu reflektieren, ist dafür der erste Schritt. Auch das Bewusstsein für die eigene Positioniertheit und das
Reflektieren eigener Gefühle im Kontext des Themas ist essenziell. Inwiefern meide ich z. B. das Thema oder bereitet es mir sogar Unbehagen (Laabdallaoui 2024)?
So kommt es zu Sensibilisierung und perspektivisch auch zur Veränderung von
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