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Trauma als Prozess
matische Reaktion ihre wichtigste Überlebensreaktion (Huber 2020). Doch das nicht ohne Preis: Denn ein Trauma hinterlässt eine Wunde, welche die Welt für Menschen in ein »Davor« und ein »Danach« spaltet. Wahrnehmungen und Verhalten der Menschen verändern sich, und auch soziale Beziehungen verlieren an Vertrauen und Sicherheit. Diese Konzeptualisierung von »Trauma« rückt vor allem die überwältigende Heftigkeit der Erfahrung in den Fokus und kreiert das Bild eines plötzlichen, außergewöhnlichen Schocks. »Trauma« passiert jedoch nicht nur im Ausnahmezustand und als singuläres Erlebnis (Brenssell 2014). Trauma als Prozess zu verstehen als »etwas war, was immer wieder sein wird« und zu realisieren, dass es ein »nach dem Trauma nicht gibt«, ist ein zentraler Ausgangspunkt, um die traumatischen Wunden von weit mehr Betroffenen wahrnehmen und anerkennen zu können. Auch die Bedeutung der gesellschaftlichen und politischen Dimension von Traumatisierung und Trauma-Heilung kann dann erst wirklich gesehen und verhandelt werden (Brenssell 2013; Kühner 2007). Kumulatives Trauma: »Es war und es wird immer wieder sein.« Der Psychoanalytiker Mesud Khan (1963) entwickelte das Konzept des kumulativen Traumas, welches das Licht vom allgemein bekannteren Schocktrauma abrückt. Dabei betont er, dass auch seelische und körperliche Verletzungen, die wahrscheinlich als einzelne Ereignisse zu bewältigen wären, durch ihre ständige Wiederholung einschneidende, traumatische Folgen haben können. Spannend ist an dieser Stelle die Frage, welche Erfahrungen in ihrer Singularität subtil bleiben und dennoch in ihrer Wiederholung traumatisch wirken können. Grubrich-Simitis (1979) beschreibt diese als »äußerlich unauffällige Einfühlungsversäumnisse« (S. 1006). Im Fokus stehen dabei Erfahrungen der sozialen Interaktion, vor allem mit Menschen, die für die eigene Sicherheit und den eigenen Schutz verantwortlich sind. Dabei sind – je jünger desto mehr – Erfahrungen der Anerkennung unserer Bedürftigkeit, der Resonanz auf unser Erleben und Fühlen ebenso wie der gleichberechtigten Zugehörigkeit von zentraler Bedeutung für unsere wahrgenommene Sicherheit und unsere Entspannungsfähigkeit (Crepaldi/Andreatta 2021). Deren Absenz in wichtigen sozialen Interaktionen kann meist einmalig kompensiert werden; ihre ständige Abwesenheit kann jedoch traumatischen Charakter haben. Sequentielles Trauma: »Ein nach dem Trauma gibt es nicht.« Eine weitere wichtige Perspektive, welche Trauma als Prozess greifbar macht, ist das Konzept der sequentiellen Traumatisierung, welches von dem Arzt und Shoa-Überlebenden Hans Keilson geprägt wurde (Keilson 2005). Am Beispiel jüdischer Waisenkinder während des zweiten Weltkrieges in den Niederlanden konzeptualisierte er Traumatisierung nicht als einmaliges Ereignis, sondern als Sequenz von Erfahrungen. Wichtig war Keilson, die Bedeutung verschiedener Phasen von Traumati-
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