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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung
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Scham. Und es ist die Zeug*innenschaft anderer, die dazu führt, dass »[…] dass
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das innere Erleben und die Vergangenheit wahr werden und so ein Ja zu sich selbst
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als Basis für weitere heilsame Prozesse entsteht.« (Weiß/Sauerer 2018, S. 179). So
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kann der Dreiklang des Verstehens auch ein Weg der Versöhnung werden: »Das
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Ergebnis des Verstehens ist Sinn, den wir im bloßen Lebensprozess insofern erzeugen, als wir uns mit dem, was wir tun und erleiden, zu versöhnen suchen« (Arendt
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2000, S. 111).
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Für Menschen aus herausfordernden Lebensumständen ist die Anerkennung des
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Schmerzes zur Integration der leidvollen Erfahrungen entscheidend. Geschieht
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dies nicht, kann sich das erschütterte Welt- und Selbstverständnis nicht erholen:
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»Das Bedürfnis, Leiden beredt werden zu lassen, ist Bedingung aller Wahrheit.
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Denn Leiden ist Objektivität, die auf dem Subjekt lastet; was es als sein Subjektivstes erfährt, ist objektiv vermittelt.« (Adorno 1966, S. 29). Abspaltung des Schmerzes kann zu Gewalt führen: »Die Verachtung anderer [wird so, Anm. der Verf.] zur
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Basis einer Identität, der das Eigene fehlt, die haßt, was sie hätte sein können, und
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die deshalb das Fremde braucht, um dort das eigene ›Fremde‹ bestrafen zu können« (Gruen 2002, S. 190). Schmerz will gesehen und anerkannt werden: »Nicht
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ernstgenommener Schmerz wiederholt das Früher, weil der Schmerz ja damals auch
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nicht gesehen wurde.« (Expert*innenrat: Auftritt am Fachtag Traumapädagogik
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2023, kursive H. i. O. = steht für Aussagen der Expert*innen). Der pädagogische
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Alltag kann ein Raum sein, in dem die Anerkennung des Schmerzes Platz hat, wie
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auch in Weiterbildungen, Gruppengespräche, Teamsitzungen etc. Vor allem geht
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es um Menschlichkeit, die in diesen Räumen aufscheinen kann: »[S]ieh, dass Du
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Mensch bleibst. Mensch sein ist vor allem die Hauptsache. […] trotz alledem.«
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(Luxemburg 1987, S. 151). In unserem professionellen Tun sei »nicht die konzeptionelle Interventionsstrategie des/der Helfers/in […], sondern seine/ihre Kapazität ›fachlich ganz Mensch zu sein‹ gefragt« (Andreatta 2012, S. 38).
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Transgenerationale Beeinträchtigungen, transgenerationaler Schmerz sind eher
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die Regel als das Besondere. Sie wirken kollektiv, individuell oder sind miteinander verbunden. Meist werden sie abgewehrt mit weitreichenden Folgen. Abwehr
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von Schmerz, z. B. nach dem Faschismus, sei – so das Ehepaar Mitscherlich – die
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Ursache einer psychischen Unbeweglichkeit: »Zwar […] haben die übrigen Abwehrvorgänge den Ausbruch der Melancholie verhindert, aber sie haben nur unvollständig die ›großartige Ich-Verarmung‹ abwenden können. Dies scheint uns
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die Brücke zum Verständnis des psychischen Immobilismus, der Unfähigkeit, in
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sozial fortschrittlicher Weise die Probleme unserer Gesellschaft in Angriff zu nehmen« (Mitscherlich/Mitscherlich 2009, S. 79).
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Menschen aus herausfordernden Lebensumständen kennen viele Brüche. Nicht
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selten beschreiben sie sich als wurzellos oder berichten von einer inneren Leere.
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Biografiearbeit kann – wenn traumasensibel – transgenerationale Selbstbemächtigung unterstützen durch Entlastung von Schuld durch Wissen, Öffnung durch
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