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Würde und Anerkennung – Grundlagen der Selbstbemächtigung
muss sich zwangsläufig eine regressive Selbstfürsorge einstellen, die das eigene psychologische Gleichgewicht auf Kosten anderer sucht‹ (Böhnisch/Schröer 2007, S. 51). Diese Individualisierung der Selbstsorge ist Selbstoptimierung im Interesse der Produktionssteigerung. Sie ist im Zusammenhang mit der Produktionsform des heutigen Kapitalismus zu sehen: »Zur Steigerung der Produktivität werden nicht körperliche Widerstände überwunden, sondern psychische oder mentale Prozesse optimiert. Die körperliche Disziplinierung weicht der mentalen Optimierung‹ (Han 2014, S. 39). Dazu dient auch die Nichtanerkennung von Leid und Schmerz: »In dem, was man den zeitgenössischen Selbstkult nennen könnte, geht es darum, sein wahres Ich zu entdecken, indem man es von dem trennt, was es verdunkeln oder entfremden könnte.« (Foucault 2013, S. 210). Die Ökonomie macht sich die Subjekte durch eine »nie enden wollende pädagogische Steigerung der Subjekte durch stete Selbst-Entwicklung und Selbst-Optimierung« (Böhnisch/Schröer 2007, S. 41) immer mehr zu eigen. Auch deshalb kann Selbstsorge/Selbstbemächtigung in Abgrenzung zur individualisierten Selbstoptimierung als ein Schlüsselbegriff der biografischen Identitätsperspektive werden. »Fähigkeiten zur Selbstorganisation, zum Selbsttätig werden und zur Selbsteinbettung« (Keupp 2000, S. 10) sind eine Grundlage für den aufrechten Gang. Deshalb sollten »politisch pädagogische Konzepte darauf ausgerichtet sein, das Selbst zu entlasten und in der sozialen Umwelt Netzwerke, bürgergesellschaftliche Infrastrukturen mit zu schaffen, in denen erlebte Bedrohungen der Handlungsfähigkeit thematisierbar und in gemeinsame Interessen transformierbar sind« (Böhnisch/Schröer 2007, S. 115).
Würde und Anerkennung – Grundlagen der Selbstbemächtigung Die Konzepte der Würde (Bieri 2013) und Anerkennung (Honneth 2012) erweitern die oben beschriebene Selbstsorge. In dem von Peter Bieri entwickelten Konzept der Würde als Lebensform gelten Selbstständigkeit und Selbstachtung als zentrale Dimensionen, um Gefährdungen begegnen zu können (Bieri 2013, S. 15). Es gehe um die Möglichkeit, ein Subjekt zu sein, »[…] das sich in Frage stellen kann, statt wie ein Getriebener nur vor sich hin zu leben« (Bieri 2013, S. 23), eine innere, gedankliche Selbstständigkeit und die Fähigkeit, sich von der Vergangenheit nicht bestimmen zu lassen. Die Lebensform der Würde beinhalte »[…] für seine Gesundheit zu sorgen, seine Fähigkeiten zu entwickeln, gegen innere Zwänge und für größere Selbständigkeit zu kämpfen, ein wachsendes Verständnis für die Logik des eigenen Lebens zu entwickeln und diesem Leben einen Sinn und eine Richtung zu geben« (Bieri 2013, S. 260). Verstehen wirkt befreiend
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