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Die Pädagogik der Selbstbemächtigung

Die Pädagogik der Selbstbemächtigung Wilma Weiß

Ihre Entwicklung Die Pädagogik der Selbstbemächtigung hat ihre Wurzeln in der emanzipatorischen Pädagogik der 1970er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ausgangspunkt dieses Konzeptes ist ein weitgefasster Begriff von Traumabearbeitung (siehe Weiß Traumapädagogik: Entstehung, Inspirationen, Konzepte in diesem Band). Die Notwendigkeit der Selbstbemächtigung begründet sich mit den Ohnmachtserfahrungen von Mädchen* und Jungen* in herausfordernden Lebenssituationen. Sie waren Objekte für die Bedürfnisse Erwachsener, heute leiden sie unter den Auswirkungen dieser Erfahrungen. Traumapädagogik hat die Aufgabe, dazu beizutragen, dass sie wieder Subjekte ihres Lebens werden, gut für sich und andere sorgen lernen und sich in Beziehungen selbstbemächtigt entwickeln. Die Pädagogik der Selbstbemächtigung ist ein zentrales Element in der Traumaarbeit und eng mit einem fachlich-professionellen Selbstverständnis wie mit einer politisch-partizipativen Haltung verbunden. Sie gilt als eines der drei zentralen Konzepte der Traumapädagogik (Vorstand Fachverband Traumapädagogik 2023, S. 297) Ursprünglich bestand die Pädagogik der Selbstbemächtigung darin, Selbstverstehen, Selbstakzeptanz und den selbststärkenden Umgang mit den Auswirkungen traumatischer Erfahrungen zu begleiten. Seit der ersten Konzeptionalisierung der Pädagogik der Selbstbemächtigung ist viel Zeit vergangen und die Inhalte konnten vertieft werden. Gemeinsam mit jungen Frauen und Anja Sauerer aus dem Antonia Werr Zentrum (AWZ) (Weiß/Sauerer 2018) und Jugendlichen aus dem Expertinnenrat des Fachverbandes Traumapädagogik konnte ich die unterschiedlichen Dimensionen des Verstehens, der Zeuginnenschaft, der Anerkennung des Schmerzes , die Auseinandersetzung mit Scham und die Bedeutung der Spiritualität für Traumaheilung tiefer erfahren. Und so entstand die Selbstbemächtigung reloaded, auf die im weiteren Verlauf auch noch einmal vertiefter eingegangen wird.

Subjekt sein Doch zum Anfang. Die Möglichkeiten, ein selbstbemächtigter Mensch zu sein, bestimmen sich durch die individuelle und die gesellschaftliche Situation. Traumatisierte Menschen haben mit ihrer Sicht auf die Welt, der traumatischen Erwar-