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Die Pädagogik des sicheren Ortes
Die Pädagogik des sicheren Ortes Andrea Basedow
Täglich wird uns vor Augen geführt, wie filigran und zerbrechlich Orte und Werte sind, die uns Sicherheit geben. Die Folgen von Krieg und Flucht sowie schwere Gewalt- und Vernachlässigungserfahrungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen stellen pädagogische Handlungsfelder vor Herausforderungen. Neben dem ›Konzept der Selbstbemächtigung‹ (Weiß 2023; Weiß in diesem Band) und dem Konzept des ›pädagogisch-therapeutischen Milieus‹ (Gahleitner 2021; Gahleitner in diesem Band), gilt das Konzept der ›Pädagogik des sicheren Ortes‹ (Kühn 2006) als eines der Kernkonzepte der Traumapädagogik. Bereits über die Namensgebung seines Konzepts berichtet Kühn (2006), dass der von den Akteur*innen der ersten Stunde gewählte Arbeitstitel ›Traumapädagogik‹ ihm nicht deutlich genug gemacht hat, »wozu und mit welchem Ziel pädagogisch gewirkt werden soll« (S. 6). Mit der Wahl seines Konzepttitels ›Pädagogik des sicheren Ortes‹ verdeutlicht er, dass damit »Rahmenbedingungen und Möglichkeiten angesprochen sind, die den professionellen Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen betreffen« (ebd.). Auch Schirmer (2013) greift diesen Gedanken auf und warnt, der Begriff ›Traumapädagogik‹ könnte den Fokus zu sehr auf das Trauma lenken und so die Gefahr bergen, dass durch eine vorschnelle Pathologisierung traumatisierter Menschen eine ›Etikettierung‹ vorgenommen würde. Als Ziel traumapädagogischer Konzepte definiert sie, »mithilfe von lösungs- und ressourcenorientierten Ansätzen eine emotionale Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen in einem sicheren institutionellen Rahmen zu erzeugen« (S. 242). Mit dem Konzept der ›Pädagogik des sicheren Ortes‹ steht ein in der stationären Jugendhilfe entwickeltes und praxiserprobtes sowie teils beforschtes (vgl. Schmid et al. 2014; Gahleitner et al. 2015; Schröder et al. 2021) Mehrebenenmodell zur Verfügung, das die verschiedenen Handlungsebenen pädagogischer Arbeit sichtbar macht und so ein strukturiertes Vorgehen in Bezug auf die Implementation traumapädagogischer Handlungsansätze in die pädagogische Praxis ermöglicht. Aus gehend von der stationären Kinder- und Jugendhilfe hat der Ansatz in den vergangenen zwanzig Jahren Einzug in viele Bereiche stationärer und ambulanter pädagogischer Arbeit gehalten. Dadurch hat sich die Zielgruppe für traumapädagogische Ansätze deutlich erweitert. Kindergärten, Schulen, Jugendämter, Kinderund Jugendpsychiatrien, Krisen- und Notfalldienste, Übergangseinrichtungen oder Projekte der Behinderten- und Altenhilfe profitieren heute von diesem Konzept.