2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/093.md

2.2 KiB
Raw Blame History

Ethik und Traumapädagogik Traumatisierendes Umfeld

Traumapädagogisches Milieu

Unberechenbarkeit

Transparenz/Berechenbarkeit

Einsamkeit

Beziehungsangebote/Anwaltschaft

nicht gesehen/gehört werden

beachtet werden/wichtig sein

Geringschätzung

Wertschätzung (Besonderheit)

Kritik und Entmutigung

Lob und Ermutigung

Bedürfnisse werden missachtet

Bedürfnisorientierung (Individualität)

Ausgeliefertsein andere bestimmen absolut über mich

mitbestimmen können Partizipation

Leid

Freude

Tab. 1: Traumapädagogische Haltung als korrigierende Beziehungserfahrung (Schmid 2013)

Ethik und Traumapädagogik Wenn man sich mit Ethik und Traumapädagogik beschäftigt, liegt es nahe, einerseits nachzuschauen, was sozialpädagogische Autorinnen zu Ethik geschrieben haben, und sich andererseits auch an medizinethischen Prinzipien zu orientieren. Beauchamp und Childress (2001) haben vier zentrale Kriterien für ethisches Handeln in der Medizin beschrieben: • Respekt der Autonomie • Nichtschädigung • Fürsorge • Gleichheit/Versorgungsgerechtigkeit Aus traumapädagogischer Perspektive ist festgeschrieben, dass Klientinnen, die einem anvertraut sind, nicht geschädigt werden dürfen und sie vor weiteren Traumatisierungen bestmöglich zu schützen sind; zudem sollen Kinder und Jugendlichen die maximale Fürsorge erfahren. Des Weiteren ist es ein zentraler Aspekt der Traumapädagogik, die Autonomie der Klient*innen zu respektieren und sie ihrem Entwicklungsstand entsprechend an Entscheidungen partizipieren zu lassen. Ein potenziell schwieriges Thema für die Traumapädagogik ist aber die Frage der Versorgungsgerechtigkeit. Es ist eine Tatsache, dass Traumatisierung bei fremdplatzierten Kindern und Jugendlichen eher die Regel als die Ausnahme ist (Schmid 2013; Schmid/Fegert 2020) und sich diese gravierend auf die soziale Teilhabe auswirkt und sie nicht alle in traumapädagogischen Wohngruppen betreut werden können (Schmid et al. 2022). Viele traumapädagogische Wohngruppen erhalten im Jahr über 100 Anfragen, die sie absagen müssen. Da diese Wohngruppen eine sehr geringe Fluktuation haben, können sie auch nur sehr wenige Kinder und Jugendliche effektiv versorgen.

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