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Da wird man doch mal plärren dürfen
mir mehr zutraut, als ich kann. Es ist also nicht einfach für uns, unsere Stärke zu spüren und anzunehmen.
Da wird man doch mal plärren dürfen ÜBER HILFREICHES UND NICHT HILFREICHES VON DEN PROFIS Wir haben mittlerweile gelernt, das in der Gegenreaktion auf unsere Ohnmacht unsere Gegenüber in die Retterinnenfalle geraten können. Wir haben deshalb die Bitte: Versorgt erstmal eure Gegenreaktionen und haltet unser Gefühl, ohnmächtig und schwach zu sein, mit uns aus. Dann schauen wir weiter. Und dann ist da die Sprache. Den Begriff ›Copingstrategien‹ haben wir noch nie gehört, wir nehmen lieber das Wort ›Bewältigungsstrategien‹ oder ›Selbstverteidigung‹ – Letzteres ist sogar noch besser. Das Gleiche gilt für ›Psychoedukation‹: Nehmt doch ›Selbstverstehen‹. Auch erleben wir häufig eine Reduktion auf die sichtbaren Symptome (z. B. selbstverletzendes Verhalten), das ist nicht hilfreich. Manchmal wird mir gesagt, was ich gerade fühle, sei ein altes Gefühl. Aber wenn ich es doch gerade jetzt fühle? Lasst uns bitte die Deutungshoheit über unsere Empfindungen. Mir hilft es z. B., wenn ich spüre, dass der Schmerz angenommen und gesehen wird. Wann immer es auch geht, nehmt euch Zeit, uns zu verstehen. Die Annahme des guten Grundes ist hilfreich, das Verstanden werden und das Verstehen nützen uns, vor allem das gemeinsame Verstehen und das Selbstverstehen. Das Wissen um die Normalität unserer gewählten Bewältigungsstrategien, also psychotraumatologisches Fachwissen, dient unserer Entlastung von Schuld und Scham. Wissen zu teilen nutzt uns. Es nutzt auch den Pädagoginnen, Therapeutinnen, Lehrerinnen und allen anderen Profis. Für uns Expert*innen bedeutet es ein mehr an Selbstverstehen, eine bessere Selbstregulation und damit mehr Autonomie. Uns hilft es, wenn sowohl die Schwere der alten Belastungen und die Schwere unserer heutigen Situation anerkannt wird. Euer Begriff ›posttraumatisches Wachstum‹ irritiert uns. Vielleicht sind wir zu jung, um das zu verstehen? Klar, wir mussten Stärken entwickeln, um zu überleben. Doch unsere Anstrengungen fühlten und fühlen sich auch heute noch manchmal übermenschlich an. Beachtet das und sucht eine Balance zwischen Anstrengung, Schwere und Stärken. Unsere Stärken spüren wir sehr real, z. B.: • Ich habe das geschafft, was meine Eltern nicht geschafft haben. • Ich habe den Führerschein bestanden. • Ich habe eine Stelle gefunden. • Die Schule läuft gut. • Ich beginne zu vertrauen.
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