2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/086.md

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Wir sind alles
eine körperliche Kraft. Vielleicht war die Stärke auch vorher da, mitgegeben, sozusagen als eine existenzielle Kraft.
Unsere Stärken
Diese Stärken mussten wir im Traumafeld entwickeln:
• Ich bemerke eine Änderung der Stimmung bei anderen sofort.
• Ich habe Möglichkeiten mit anderen zu kommunizieren wie Kuscheltieren, einer Babydecke oder über Kunst entdeckt.
• Ich kenne mich mit mir aus und habe gelernt, mit mir alleine zurecht zu kommen.
• Ich habe generell feine Antennen.
Während unserer Zeit in einer stationären Einrichtung konnten wir diese Stärken
ausbauen und neue entwickeln:
• Feinfühligkeit
• Wir haben gelernt, andere zu integrieren, wenn wir eine gute Gemeinschaft haben möchten.
• In der Therapie habe ich viel über menschliches Verhalten und die verschiedenen Symptomatiken von Traumata gelernt.
• Wir haben gelernt, dass wir uns auf andere Menschen verlassen können.
• Durch permanente Selbstreflexion spüren wir nun ein wahrhaftiges Gefühl für
das Gegenüber.
• Durch das Ansammeln von Erfahrung wissen wir nun, dass schwierige Lebensphasen zu meistern sind.
Über die Schwierigkeit, Stärken wahrzunehmen
Es gibt Stärken, die fühlen sich wie Ohnmacht an. Vielleicht liegt das daran, dass
die meisten unserer Stärken mit Schmerz verbunden sind. Wollen wir die Stärke
wahrnehmen, müssen wir den Schmerz wahrnehmen. Manchmal fühle ich mich
nicht gesehen, wenn die Stärke betont wird. Ich fühle mich eigentlich ohnmächtig.
Sätze wie »Ich glaub an dich« oder »Du schaffst das schon« machen Druck, können Scham auslösen. Und wenn ich Stärke wahrnehmen will, geht das über die
Gefühle. Eine unserer Bewältigungsstrategien ist Gefühle auszuschalten. Es ist
nicht einfach, dies wieder einzuschalten, den Zeitpunkt zu erkennen, wann das
wieder gefahrlos möglich ist. Wenn ich meine Gefühle regulieren kann, kann ich
sie zulassen. Dann kann ich meine Stärke wahrnehmen. Ich muss mir selbst erst
bewusst werden, erst die existenzielle Kraft meiner Stärke verstehen, bevor ich den
Zuspruch von anderen annehmen kann. Sonst fühlt sich eine solche sicher gut
gemeinte motivierende Aussage an, als hätte sie nichts mit mir zu tun. Ich fühle
mich nicht gesehen wie früher! Ich schäme mich, weil die Person mir gegenüber