2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/085.md

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Über Bewältigungsstrategien
damit man nicht auffällt, nicht gesehen wird, das ist soziale Angst. Und wir wollen
die anderen mit unseren Erinnerungen nicht belasten. Deswegen gehe ich manches Mal nicht in Beziehung, um mein Gegenüber zu schützen. Vielleicht sind wir
es auch nicht wert, wir fühlen uns wertlos.
Über Bewältigungsstrategien
SO HABEN WIR ÜBERLEBT
Bewältigungsstrategien ist für unser Erleben ein vielleicht ein etwas zu bagatellisierender Begriff, denn mit diesen Strategien haben wir überlebt, es sind also eigentlich mehr Überlebensstrategien. Jeder Mensch entwickelt in jeder Situation
Bewältigungsstrategien, unsere zeitweise erlebte existenzielle Not macht jedoch
den Unterschied: Ohne diese zum Teil extremen Strategien wären wir jetzt nicht
hier. Anstrengend und kräftezehrend sind alle. Nicht immer finden wir sie selbst
gut, für manche schämen wir uns. Einige wurden zu Stärken, andere waren nicht
zielführend, eher fremd- oder selbstschädigend. Nicht wenige sind Segen und
Fluch zugleich, z. B. die feinen Antennen, die wir entwickeln mussten. Sie ermöglichen uns zwar ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Empathie. Doch ist
es immer wieder eine Anstrengung, diese Antennen abzuschalten, bei sich zu bleiben oder überhaupt erst bei sich anzukommen. Und da sind die nicht wenigen von
uns, die in pädagogische Berufe gehen. Klar, wir wissen, wie es den Mädchen* und
Jungen* geht. Wir verstehen sie. Und doch werden wir uns auch immer wieder
mehr als alle anderen mit unseren eigenen Erfahrungen beschäftigen müssen,
damit wir diese nicht den anderen Menschen überstülpen. Und damit wir nicht zu
oft durch die Übertragung von altem Mist gute Begegnungen und Entwicklungschancen vermasseln lassen.
Über Stärken
Wir waren im traumatisierenden Umfeld gezwungen, Stärken zu entwickeln. Sonst
hätten wir z. B. diesen Artikel nicht schreiben können. Die Fachmenschen nennen
dies protektive Faktoren, wir nennen es hier mal Kraftquellen. Mit oder ohne
diese Kraftquellen konnten wir einige Bewältigungsstrategien in Stärken transformieren. Wir sind alle unterschiedlich, ein Mensch schafft es, der andere nicht. Einige haben viele Kraftquellen, andere wenige, wieder andere keine. Wahrscheinlich gibt es irgendwo für alle eine Basis, was zu hoffen wäre. Für Einige von uns
waren das trotz der extremen Verhältnisse Menschen, die uns ein Halt waren, z. B.
meine Oma. Für Manche war es die Ausstattung mit einem wachen Verstand oder
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