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Raw Blame History

Das pädagogische Milieu

S. 237). Die sensible institutionelle und räumliche Gestaltung bildet dabei ein bedeutsames ästhetisches Umfeld, entscheidend ist jedoch das Gefüge zwischenmenschlicher Beziehungen. Insofern spielen auch bindungstheoretische Phänomene eine große Rolle, auch wenn sie von den zugehörigen Autor*innen nicht ausdrücklich benannt werden (vgl. jedoch Gahleitner/Kemptner/Ziegenhain in diesem Band). Beide Zielsetzungen, die des therapeutischen und pädagogischen Milieus, erinnern zudem an den in sozialpsychiatrischen Konzepten der 1970er-Jahre gelebten gemeinsam gestalteten Alltag im Rahmen einer temporären Lebensgemeinschaft, in die alle therapeutischen Kräfte, die verschiedenen Angebote der Professionellen sowie die Kraft der Gemeinschaft in Form gegenseitiger Unterstützungsressourcen in den Gruppenprozess einfließen (Bion 1962/2013). Auf Basis der angestellten Überlegungen dürfte daher deutlich geworden sein, wie viele Gemeinsamkeiten die Überlegungen zum therapeutischen und zum pädagogischen Milieu aufweisen. Krumenacker resümiert daher, dass man unter solider Milieuarbeit alle Bemühungen verstehen kann, die Institution für die in ihr lebenden Kinder »so zu gestalten, daß sie ein Maximum an pädagogisch-therapeutischer Wirksamkeit entfaltet« (Krumenacker 2001, S. 18).

Pädagogisch-therapeutische Milieuarbeit in der aktuellen Praxis der Kinder- und Jugendhilfe Wenn man sich die Vorgänge in der Praxis detailliert vor Augen führt, erhält die Bezeichnung pädagogisch-therapeutisches Milieu eine konsequente inhaltliche Ausgestaltung. Praxisnahe Überlegungen aus der Traumapädagogik und aus psychosozialen Arbeitszusammenhängen, die für diese Arbeitsbereiche in Anlehnung an die Überlegungen zum pädagogischen wie therapeutischen Milieu angemessene Konzepte bereithalten, schlagen für stationär untergebrachte Kinder und Jugendliche bewährte aber leicht abgewandelte Modelle wie das Behandlungsmodell von Lebowitz, Harvey und Herman (1993) vor (Gahleitner 2021; Gahleitner et al. 2014b). Das Modell unterscheidet (1) Stabilisierung und Ressourcenerschließung, (2) Auseinandersetzung mit der Traumaproblematik und (3) Neuorientierung, ohne jedoch die einzelnen Phasen als sture und voneinander sauber trennbare Abfolge zu verstehen. Die Abwandlungen zielen dabei vor allem auf einen geeigneten Referenzrahmen für fruchtbare interdisziplinäre Zusammenarbeit zur umfassenderen Versorgung der multiplen Problematiken in stationären Kinder- und Jugendhilfekontexten ab, welche die Bedeutung der Sicherheit und Eingebundenheit als Dimension einer positiven Bewältigung für negative Lebensereignisse im Fokus haben (Abbildung 1; dazu auch Gahleitner 2017; 2020; 2021).

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