2026-001/documents/handbuch-traumapaedagogik/pages/041.md

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Schlussbemerkung
Traditionen der emanzipatorischen Pädagogik haben die Menschen in der Überzeugung unterstützt, dass soziale und gesellschaftliche Gegebenheiten veränderbar sind und diese auffordert, »[…] kritisch die Weise zu begreifen, in der sie in
der Welt existieren […]« (Freire 1967, S. 67).
Schlussbemerkung
Für die Theoriebildung der Traumapädagogik gilt es sich der pädagogischen Bezüge zu vergewissern und diese zu überprüfen. Reformpädagogik und emanzipatorische Pädagogik verpflicht(et)en sich der Subjektstellung der Kinder und Jugendlichen. Damit bieten sie viele Bezugspunkte für die Praxis und die Theorie der
Traumapädagogik. In der traumapädagogischen Praxis bedeutet die Verteidigung
der Subjektperspektive, lebensgeschichtlich belastete Mädchen und Jungen vor einem Ausufern psychiatrischer Diagnosen, dem Überstülpen therapeutischer und
pädagogischer Manuale und dem Verlust der Individualität zu schützen und sie in
ihrer Selbstbemächtigung zu unterstützen. Um das Vertrauen in die kindliche
Selbstregulation muss heute in der (trauma-)pädagogischen Praxis immer wieder
gekämpft werden. Auch die Annahme des guten Grundes hat eine lange Tradition
(Aichhorn 1987; Neill 1969; Bettelheim 1970). Auch die müssen wir nicht neu erfinden. Was aber ist, wenn der gute Grund in einer modularisierten Kinder- und
Jugendhilfe und im Leistungsdruck der Schulen keinen Platz mehr hat, wenn Verstehen und Wissen dem finanziellen und sich daraus ergebenen Zeitdruck geopfert wird?
Wenn wir der insbesondere von Gramsci und Freire definierten Gleichwertigkeit von Pädagog*innen und Mädchen und Jungen zustimmen, bedeutet das in
der alltäglichen Praxis die permanente Reflexion des pädagogischen Handelns
und die Überprüfung von Strukturen in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen.
Dieses Postulat stellt die Beziehung und die Selbstwirksamkeit in den Vordergrund.
Viele traumatisierte Mädchen und Jungen, die z. B. in Heimen leben, kommen
aus gesellschaftlichen Schichten, denen soziale Teilhabe immer mehr verwehrt
wird. In der Tradition reformerischer und emanzipatorischer Pädagogik wird es
auch in der (Trauma-)Pädagogik darum gehen, sozialräumliche, mit den Mädchen
und Jungen ihrer Selbstbemächtigung angemessene Formen der Beteiligung an
sozialer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit zu finden. Das gemeinsame Erwehren gegen Demütigung durch soziale Kontakte in Würde und Anerkennung ist sicherlich eine zu bergende Ressource. Emanzipatorische (Trauma-)Pädagogik bedeutet also auch, neue Formen der Selbstorganisation zu finden und sich
in sozialen Bewegungen zu beheimaten; so befasst sich das Netzwerk Careleaver
Deutschland beispielsweise mit der oft problembelasteten Situation junger Men-
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