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Traumapädagogik: Entstehung, Inspirationen, Konzepte
Aus der pädagogischen Tradition kommend, sieht Kühn in der Bedeutung der Partizipation als Teil des sicheren Ortes einen konkreten Handlungsauftrag. Partizipation umfasse mehr als nur die Delegation von Entscheidungen an Kinder und Jugendliche, so Kühn (2013), und schlägt Stufen der Partizipation vor (vgl. Mascenaere in diesem Band). Auch die Pädagog*innen selbst sind mit ihrer fachlichen und persönlichen Sicherheit ein wesentlicher Teil des äußeren sicheren Ortes, sozusagen »Bestandteil traumapädagogischer Konzepte« (Lang 2013, S. 222). Doch es ergeben sich neue Fragen: Was tun, wenn Kinder und Jugendliche keinen inneren sicheren Ort finden? Ist der Begriff sicherer Ort, der impliziert, es gebe einen sicheren Ort, richtig? Ein Ergebnis der gemeinsamen Weiterentwicklung scheint die Verbindung der Inhalte der korrigierenden Gruppenatmosphäre und des Konzeptes des sicheren Ortes in dem neuen Begriff ›traumapädagogisches Milieu‹. ›Therapeutisches Milieu‹ – oder unmissverständlicher ausgedrückt ›pädagogisch-therapeutisches Milieu‹– bedeutet nach den aktuellen Entwicklungen offenbar »ausdrücklich nicht eine Therapeutisierung des Alltags, sondern eine explizite Betonung auf pädagogisch verwurzelte Betreuungskonzeptionen« (Gahleitner 2011, S. 9, Hervorhebung im Original; vgl. auch Gahleitner in diesem Band).
Die Pädagogik der Selbstbemächtigung Die Entwicklung der Pädagogik der Selbstbemächtigung datiert in die Anfänge der Traumapädagogik (Weiß 2003). Sie basiert auf der emanzipatorischen Pädagogik (Weiß in diesem Band). In ihrem Zentrum steht das gemeinsame Verstehen. z. B. von gesellschaftlichen Zusammenhängen, und vor allem das Verstehen des eigenen Gewordenseins, Dieses Verstehen minimiert Gefühle der Scham, der Schuld. Verstehen setzt Energie frei, z. B. für die Selbstregulation in stressbeladenen Situationen. Damit werden die Chancen sozialer Teilhabe erhöht. Voraussetzung hierfür ist eine traumapädagogische Haltung. Die Annahme des wichtigen Grundes geht davon aus, dass jeder Mensch Gründe hat für sein Verhalten, ohne dies zu billigen. Gerade wenn es fremd- oder auch selbstschädigend ist, bedeutet Selbstbemächtigung das eigene Verhalten verstehen zu können. Die Annahme der Expert*innenschaft bedeutet, die Menschen ernst zu nehmen in ihrer Deutung des Geschehens und mit ihnen auf Augenhöhe zu verstehen. Daraus kann ein Arbeitsbündnis auf Augenhöhe entstehen, dass neues selbstbemächtigtes Handeln begleitet und ermöglicht. In den letzten drei Jahren wurde die Pädagogik der Selbstbemächtigung vertieft und um die Themen Anerkennung des Schmerzes, Anerkennung der Scham und die spirituelle Selbstbemächtigung (Sauerer 2018) ergänzt.