1.6 KiB
geschlechtliche Heterogenität. Das heißt, dass beispielsweise Männer auch arm oder ethnisch diskriminiert sein können, Frauen aber auch einer weißen Mehrheit angehörend und wohlhabend, Ungleichheiten sich also »ausgleichen«, aber auch verstärkt werden können wie im Falle von Frauen aus ethnisch diskriminierten Gruppen mit wenig ökonomischen, kulturellen oder sozialen Ressourcen. Wenn Intersektionalität die Überschneidung von unterschiedlichen Benachteiligungs- oder Diskriminierungsformen bezeichnet, dann ist damit wird damit die Komplexität von Ungleichheiten aufgeschlossen, die vor allem in der sozialisationstheoretischen Perspektive relevant werden (Walgenbach 2017). Wenn dabei explizit sozialisationstheoretisch argumentiert wird, so ist das dazugehörige Hintergrundverständnis klar erkennbar: Sozialisation ist der Prozess der Interaktion mit kontextuell und kompositorisch differenzierten Umweltstrukturen, in denen Erfahrungen gesammelt werden. Diese sind wiederum die Grundlage für die Ausbildung von Handlungsorientierungen und Kompetenzen. Intersektionalität ist so etwas wie das Kondensat einer Theoriefigur, die nicht mehr auf die Beschreibung von Ungleichheiten in einer eindimensionalen Form beschränkt bleibt. Ohne Zweifel wird der Ungleichheitsblick damit viel komplexer als bei der alleinigen Betrachtung von Ungleichheiten auf der sozioökonomischen Ebene. Auch der Diskurs über klassische Verteilungsungerechtigkeiten wird auf diese Weise in die viel breitere Perspektive sich überlagernder und wechselseitig beeinflussender Ungleichheiten überführt.