2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/234.md

1.1 KiB

Persönlichkeit sind somit Schrittmacher und Resultat der Sozialisation.« (Neyer/Lehnhart 2015, S. 180) Deutlicher noch als bei Bandura und der jüngeren Agency-Forschung wird im dynamisch-interaktionistischen Modell postuliert, dass eine Persönlichkeit als Gestalter der eigenen Entwicklung und damit der eigenen Sozialisation fungiert. Letzteres impliziert, »dass die soziale Umwelt immer mehr das Resultat einer gestaltenden Persönlichkeit wird« (Neyer/Lehnhart 2015, S. 183) und nicht umgekehrt. Die sich entwickelnde Persönlichkeit ist also nicht abhängig von Umwelteinflüssen, sondern konstruiert diese selbst. Wichtige Persönlichkeitszüge, die wie die vorgestellten »Big Five« nach dem dynamisch-interaktionistischen Modell als sehr stabil angenommen werden müssen, sorgen dafür, dass eine Persönlichkeit sich nur sehr selektiv Umwelteinflüssen aussetzt. Extrovertierte Personen beispielsweise suchen sich nach dieser Vorstellung Umwelten, in denen sie ihr Temperament ausleben und in dieser Hinsicht auch angeregt werden. Introvertierte dagegen wählen das Gegenteil, stillere und weniger herausfordernde Orte.