2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/209.md

1.8 KiB

Genforschung auf sich aufmerksam macht. Sie deutet immer wieder an, das Rätsel des Menschen entschlüsselt zu haben. Vor allem einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler trumpfen mit einer solchen Auffassung auf. Obwohl immer schon auf die sinnvolle Einbeziehung, aber begrenzte Aussagekraft der genetischen und epigenetischen Forschung hingewiesen wurde, soll hier im Rahmen der Auseinandersetzung über das Verhältnis von äußerer und innerer Realität noch einmal verdeutlicht werden, warum eine wissenschaftliche Perspektive nur eine vermittelnde Position einnehmen kann. Während das MpR deutlich Stellung bezieht, wenn es darum geht, dass Umwelttheorien überbetont werden und das Subjekt wie die Marionette der gesellschaftlichen Einflüsse wirkt, gilt das auch in Richtung einer genetischen Orthodoxie. Die Überpointierung einer genetischen Position, um menschliches Verhalten zu erklären, muss deswegen ebenso konsequent hinterfragt werden. Die Utopie der Gene

Die Leitfrage einer solchen Überprüfung der Aussagekraft genetischer Ansätze (hierzu in Anlehnung an Bauer 2019) muss lauten: Hat die Genforschung für die Erklärung menschlichen Verhaltens ausreichend Potenzial? Die Antwort ist ebenso pointiert: wohl eher wenig. Überraschend ist, mit welcher Macht einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Druck auf die öffentliche Meinung ausüben, um die Sicht zu verbreiten, dass die Gene unsere Entwicklung bestimmen. Robert Plomin (geb. 1948) ist Humangenetiker und einer der Hauptvertreter der orthodoxen Gen-DominanzAnnahme. Plomin ist weltweit bekannt und wird vor allem in der Nichtfachöffentlichkeit wahrgenommen. Die These ist die immer wiederkehrende. Der Mensch und seine Eigenschaften sind genetisch determiniert. Wir sollten darum Verständnis haben, wenn bestimmte Menschen in