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Wandel oder Auflösung von Sozialisationsprozessen?

Zinneckers Selbstsozialisations-Thesen bilden einen guten Hintergrund für die damalige Diskussion, die sich von der Struktur- zur Subjektzentrierung verschoben hatte. Die Vermutung, dass das Konzept der Selbstsozialisation eine Entsprechung in der Realität des Aufwachsens besitzt, ist dabei durchaus als radikal anzusehen. Zinnecker reagiert auf einen offenkundigen Wandel der Sozialisationsbedingungen am Ende des 20. Jahrhunderts. Dieser Wandel ist überall sichtbar und Zinnecker nahm an, dass das Aufwachsen der jüngeren Generationen kaum noch mit dem der Generationen verglichen werden kann, die im oder nach dem zweiten Weltkrieg sozialisiert wurden. Heute muss man fragen, ob diese radikale These Bestand haben kann. Werden die Veränderungen der Lebenswelten nicht überschätzt? Wahrscheinlich ja, lautet die Antwort. Der zunehmende Wandel der Sozialisationsbedingungen einer nachwachsenden Generation verleitet zu weitreichenden Thesen. Rund 20 Jahre nach der Selbstozialisations-Diagnose Zinneckers kann das aber nicht bestätigt werden. Die digitale Revolution hat seitdem erst stattgefunden und trotzdem wird das »Selbst« nicht unbedingt relevanter und Strukturen der Einbindung verlieren nicht an Bedeutung. Entgegengesetzt könnte auch vermutet werden, dass das »Selbst« nur noch Anhängsel der Kontexte ist, die es umgeben. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass die Bedeutung der sozialisatorischen Instanz Familie oder der pädagogischen Institutionen Kindergarten, Schule und Hochschule an Relevanz verlieren (Denzin 2009; Grusec/Hastings 2006; Herwartz-Emden/Schurt/Waburg 2010; Sameroff 2009). Muss man nun darum den Spieß wiederum umdrehen? Muss das Sozialisationsdenken von den äußeren Strukturen ausgehend wieder neu aufgenommen werden? Eine weitere