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war wie Freud Psychiater und ebenfalls an Psychopathologiebildung interessiert. Anders als Freud aber geht Lorenzer weit über den klinischen Fokus hinaus und verbindet die Psychoanalyse mit der Analyse sozialer Kontexte, in denen Menschen leben und aufwachsen (Leithäuser 2013). Hierzu gehören die Binnenverhältnisse in der Familie, aber auch die Bedeutung des Spiels, der Arbeit, des Lernens, der Religion und ihrer Wirkung auf das Unbewusste unserer Handlungen. Bei Lorenzer wird deutlich, dass man das Verhältnis der biologischen zur sozialen Realität des Menschen auch streng kontextabhängig verstehen kann, also als Prägungsvorgang unserer Bedürfnisstruktur: »Die, im Beginn noch organismische, Lebensgeschichte des Kindes ist ein Vorgang zunehmender Kanalisierung der kindlichen Bedürfnisse. Die Brechung oder, milder ausgedrückt, die Beeinflussung der originären Bedürfnisse nimmt einen Weg, bei dem jeder Schritt den nachfolgenden determiniert. Umsetzung dieser Wünsche in Realität verändert das Profil der Bedürfnisse und biegt so eine Entwicklungslinie zunehmender Formung der Körperbedürfnisse zurecht.« (Lorenzer 1972, S. 33) Wie Salling Olesen & Weber (2013) argumentieren, ist gerade Alfred Lorenzers Ansatz ein Beispiel für eine »psychosoziale« Methodologie. Diese Methodologie (verstanden als Anleitung für das methodische Analysieren) ist eine Verbindung des materialistischen Denkens mit dem der Vertreter der Frankfurter Schule und den rekonstruktiven Ansätzen, für die zum Beispiel der Ansatz von Ulrich Oevermann steht. Lorenzer betonte etwas innerhalb der Freudschen Methode, was in der Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse häufig vergessen wird: Die Bedeutung von Beziehungsstrukturen, die Auswirkungen von Effekten der Abstoßung und Anziehung, die wir in sozialen Interaktionen erfahren. Die nachfolgenden psychologischen Ansätze werden diese