2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/125.md

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Spielräume erschlossen sind und genutzt werden können (also mit »richtig« und »falsch« experimentiert wird, wie man sagen könnte). Über den weiteren Lebenslauf hinweg kann ein Gesellschaftsmitglied zu einem aktiven Konstrukteur der eigenen Wirklichkeit werden und dadurch auch die gesellschaftliche Wirklichkeit (im übertragenen Sinne die Bewertungen von »richtig« und »falsch«) verändern. Obwohl auf einem anderen Weg als Habermas, konstituieren sich hier ähnliche Denkmuster. Berger und Luckmann gehen ebenfalls von der Grundfigur aus, dass Menschen durch Institutionalisierung und Gewöhnung zunächst Regeln verinnerlichen, diese in ein Rollenrepertoir übersetzen und erst in der Adoleszenz damit beginnen, eine Identität auszubilden, die sich von strikter Normenbefolgung trennen kann. Sie beschreiben zwar nicht das emphatische Moment einer autonomen und kritikfähigen Subjektivität. Dafür aber weisen die Beschreibungen eines schöpferischen menschlichen Handelns in eine sehr ähnliche Richtung. DIE THEORIE DER SOZIALISATORISCHEN INTERAKTION VON ULRICH OEVERMANN In der Tradition von Mead, des symbolischen Interaktionismus, aber auch des Ansatzes von Berger und Luckmann steht das sozialisationstheoretische Denken Ulrich Oevermanns (geboren 1940). Oevermann ist zugleich ein akademischer Schüler von Jürgen Habermas. Er entwickelte eine Theorie der »sozialisatorischen Interaktion«, die auf die Bedeutung der Strukturen und Inhalte der sozialen und dinglichen Umwelt für die Persönlichkeitsentwicklung abstellt. Demnach ist die Persönlichkeitsentwicklung nicht allein auf innerorganismische und innerpsychische Antriebe einer stufenweisen Entwicklung zurückzuführen, sondern auch