2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/093.md

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sind, deren Praktiken oder Vorstellungen zu leiten und zu
begrenzen.« (Bourdieu 1992, 135) Konstruktivismus
etikettiert zunächst nur die Ebene der in der Alltagswelt
und -erfahrung verankerten symbolischen
Ausdrucksformen.
Eines von Bourdieus Hauptwerken, »Die feinen
Unterschiede« (1982), macht dieses erkenntnistheoretische
Prinzip zum Ausgangspunkt empirischer Analysen.
Bourdieu fokussiert hier auf die Analyse der
Lebensbedingungen (Einkommensverhältnisse,
Bildungsgrad usw.) sowie auf die Ausbildung von
Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsdispositionen des
Individuums und damit auf die Analyse subjektiver
(Sinn-)Konstruktionen und individueller Lebensstile.
Zwischen beidem den objektiven Strukturen und
Ressourcen sowie den in den subjektiven Lebensstilen
verdichteten Dispositionen besteht nach Bourdieu eine
Homologie (Übereinstimmung).
Die zentrale Rolle des Habitus in Bourdieus Theorie
Bourdieus Instrumentarium der Homologie-Analyse zielt
vor allem auf die Frage, wie Hierarchien entstehen und
sich reproduzieren. Sein Gegenstand sind der Alltag und
die Lebensstile von Menschen, vor allem alltagsästhetische
Phänomene wie Benimmregeln, Wertpräferenzen und
Mentalitäten. In der Soziologie ist eine solche Sensibilität
für Alltagsphänomene keinesfalls typisch, für Bourdieu
indes ist es das und er eröffnet damit neue Perspektiven. Er
sucht nach den Verdichtungen von Gewohnheiten und
Mentalitäten der Menschen und danach, wie sie sich die
Welt erklären. In diesen Analysen bildet er das Konzept des
Habitus aus, das von Beginn an eine
sozialisationstheoretische Komponente erkennen lässt. Ein
Habitus wird hiernach als das Produkt akkumulierter, das
heißt individuell »angehäufter«, Geschichte angesehen, die
sich als Erfahrungen, Sicherheiten der Interpretation und