2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/087.md

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eine selbstreferenzielle Logik, was Luhmann als
»Autopoiesis« (Selbststeuerung) bezeichnet. Der Begriff
Autopoiesis wurde von ihm aus der Neurophysiologie
übernommen und bezeichnet die Organisationsform von
Systemen, die ihre konstitutiven Komponenten selbst
herstellen und über Zeit und Raum auch selbst erhalten
können (Maturana/Varela 1987).
So wird auch das psychische System auf der Basis eines
einheitlichen »selbstreferenziellen«
Bewusstseinszusammenhangs definiert, während sich
soziale Zusammenhänge durch Kommunikation ergeben:
»Psychische und soziale Systeme sind im Wege der KoEvolution entstanden. Die jeweils eine Systemart ist
notwendige Umwelt der jeweils anderen. Die Begründung
dieser Notwendigkeit liegt in der diese Systemart
ermöglichenden Evolution. Personen können nicht ohne
soziale Systeme entstehen und bestehen, und das Gleiche
gilt umgekehrt« (Luhmann 1984, S. 92). Die beiden
Systeme stehen in einem Verhältnis der Interpenetration
(der gegenseitigen Durchdringung) zueinander, wobei jedes
System Beiträge zum Aufbau des anderen zur Verfügung
stellt. Das selbstgesteuerte Bewusstsein ist der Beitrag des
psychischen Systems, der in das soziale System
aufgenommen wird, während das soziale System
Kommunikation beisteuert, um das psychische System zu
konstituieren.
Auch in sozialen Systemen wird nach Luhmann jede
innere Struktur vom System durch selbstreferenzielles
Prozessieren erzeugt. Als die grundlegende Leistung des
Systems wird dabei die Reduktion der Komplexität von
Umwelt verstanden, also die auf das Wesentliche reduzierte
Aneignung und Übersetzung von Strukturen, Prozessen
und Komponenten aus der Umgebung in das Innere des
jeweiligen Systems. In allen hoch entwickelten
Gesellschaften wird das Ausmaß von Selbstorganisation
aller Systeme, so auch des Systems »Psyche«, immer