2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/086.md

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Vorstellung des Einwirkens von sozialen Normierungen auf
die Ausprägung von Einstellungs- und Verhaltensmustern
hat terminologisch (als Bezugnahme auf den Rollenbegriff)
nicht »überleben« können. In der konkreten
Forschungspraxis wird der damit verbundene Impuls zur
Annahme der individuellen Anpassung an spezifische
Handlungs- und Rollenerwartungen jedoch fortgeführt, die
dann auch in der ganzheitlichen Gestalt eines fest
umrissenen Repertoires an Wissen und Erfahrungen zur
Ausprägung kommen.
DIE SOZIALE SYSTEMTHEORIE VON NIKLAS
LUHMANN
Eine der wenigen Bezugnahmen auf das
strukturfunktionalistische Denken stammt aus der
deutschsprachigen Debatte. Der Soziologe Niklas Luhmann
(19271998) entwickelte die strukturfunktionalistische
Systemtheorie von Talcott Parsons zwar in gewisser Weise
weiter, wich aber in zentralen Punkten von Parsons ab. Das
tut er vor allem darin, die Eigenlogik der jeweiligen
Systeme noch viel deutlicher zu betonen als dies bei
Parsons bereits der Fall war (Luhmann 1987). Die
soziologische Systemtheorie entwickelt dadurch eine
spezifische Ausprägung. Zudem weicht sie von einer
normativen Vorgabe des Vorrangs gelungener
gesellschaftlicher Integration durch Sozialisation (wie bei
Durkheim und Parsons) ab. Wie wir sehen werden,
bekommt die Systemtheorie damit eine Sonderstellung in
der Soziologie, die überraschenderweise dennoch relevant
wird für das Sozialisationsthema.
Sozialisation als Selbstorganisation von Systemen
Luhmann unterscheidet wie Parsons zwischen einem
organischen, psychischen und sozialen System. Diese drei
Systeme folgen eigenen Entwicklungsgesetzen, sie haben