2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/071.md

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Strukturen durch ihre Alltagszwänge in der Persönlichkeit der heranwachsenden und erwachsenen Gesellschaftsmitglieder hinterlassen (Ottomeyer 1991; Seve 1977). Aber in diesen Theorien gewinnt die persönlichkeitstheoretische Komponente der materialistischen Gesellschaftstheorie, die bei Marx eindeutig angelegt ist, gegenüber den politischen und ökonomischen Determinierungen an Gewicht. Bei Leontjew (1979) zum Beispiel wird der Widerspruch, dass gesellschaftliche und ökonomische Faktoren einerseits der Persönlichkeit eines Menschen als äußere Bedingungen entgegentreten, andererseits aber die sich entwickelnde Persönlichkeit eine aktiv die Umwelt verändernde Instanz ist, intensiv herausgearbeitet. In seiner Persönlichkeitstheorie stellt er sich der Frage, wie der Mensch durch das soziale Erbe, nämlich die von anderen Menschen geschaffene Wirklichkeit, in seiner Entwicklung beeinflusst wird und wie er diese Wirklichkeit aktiv selbst gestalten und beherrschen kann. Der Begriff »Tätigkeit« wird zum Schlüsselbegriff. Tätigkeiten sind zusammenhängende Ketten von menschlichen Handlungen, die durch ein Motiv gesteuert und auf ein Ziel gerichtet sind. Hiermit wird eine interessante Vermittlungskategorie für die Analyse der Beziehungen zwischen Mensch und Gesellschaft eingeführt, die Querverbindungen zu den handlungstheoretischen Konzeptionen ermöglicht (s. unten 2.2). DIE KRITISCHE GESELLSCHAFTSTHEORIE DER FRANKFURTER SCHULE Bis heute haben die Ansätze, die Marx oder der materialistischen Theorie folgen, ein Anerkennungsproblem. Sie stehen unter dem Verdacht, letztlich nur eine »Abbildtheorie« zu produzieren, in der die Menschen Abbilder ihrer Umwelt, also Marionetten der