2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/070.md

37 lines
1.7 KiB
Markdown

nämlich dadurch, sich in die Situation des anderen hinein
vertiefen und sich selbst als Objekt wahrnehmen zu
können.
Die eigentlichen Potenziale der menschlichen
Subjektentwicklung werden nach der Analyse von Marx
aber unter den obwaltenden kapitalistischen
Herrschaftsbedingungen nicht freigesetzt, weil die sozialen
Beziehungen durch die ökonomisch geprägten, rein
sachlichen Besitzverhältnisse verzerrt sind. Das gesamte
Leben der Menschen in den kapitalistischen Gesellschaften
wird durch Waren- und Marktgesetze determiniert, die die
Mehrheit der Bevölkerung unter den »Zwang der
ökonomischen Verhältnisse« pressen, weil sie ihre
Arbeitskraft gegen Lohn verkaufen müssen. Hierdurch wird
die Persönlichkeit der arbeitenden Menschen geradezu
verkrüppelt. Sie sind gezwungen, sich an die
vorherrschenden, von ihnen aktuell nicht veränderbaren
kapitalistischen Produktionsverhältnisse anzupassen und
sich ihnen zu unterwerfen. Die hierfür notwendigen
Grundstrukturen der Persönlichkeit werden durch die
politischen und ökonomischen Systeme geformt, die den
einzelnen Menschen davon abhalten, seine wirklichen
Bedürfnisse und Interessen zu erkennen und
durchzusetzen (Marx 1966).
Anschlüsse an die Theorie von Marx
Wie bereits erwähnt, steht die politische
Instrumentalisierung des Werkes von Karl Marx einer
sachlich angemessenen Aufnahme in die wissenschaftliche
Diskussion bis heute im Wege. Sie hat dazu geführt, dass
einseitig nur die gesellschaftliche Determinierung der
Persönlichkeit eines Menschen aus dieser Theorie
abgeleitet wird (»Das Sein bestimmt das Bewusstsein«).
Gegen diese Einseitigkeit haben sich materialistische
Persönlichkeitstheorien gewandt. Sie suchen zwar auch
nach den Spuren, die gesellschaftliche und ökonomische