2026-001/documents/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/066.md

1.6 KiB

Die theoretischen Ansätze von Simmel und Durkheim haben die Sozialisationstheorie begründet, indem sie systematische analytische Überlegungen zum Thema der spannungsreichen Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht haben. Ihre bahnbrechende Arbeit ist aber erst einige Jahrzehnte später aufgenommen und weitergeführt worden. In der Soziologie haben sich Gesellschafts- und Handlungstheorien als bedeutsam für die Analyse der Auseinandersetzung des Menschen mit seiner inneren und äußeren Realität erwiesen. Diese Theorierichtungen werden im nächsten Abschnitt in ihren Grundaussagen und in ihrer Bedeutung für die Analyse und Erklärung von Sozialisation charakterisiert und kritisch eingeordnet.

2.1

Gesellschaftstheoretische Ansätze

Unter dem Sammelbegriff »gesellschaftstheoretische Ansätze« lassen sich verschiedene Theorieströmungen zusammenfassen, die soziale Makrostrukturen und ihre Dynamik analysieren (also gewissermaßen die Gesellschaften von oben aus der Vogelperspektive betrachten). Dieser makrotheoretische Zuschnitt wird bereits in den Ansätzen von Durkheim und Simmel sichtbar, jetzt kommen Ansätze innerhalb der Soziologie hinzu, die mehrheitlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär wurden (auch wenn sie manchmal bereits früher entstanden sind). Im Unterschied zu den frühen Ansätzen soziologischer Theoriebildung werden von nun an die ökonomischen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen für die Wechselbeziehungen zwischen Person und Umwelt differenzierter betrachtet. Damit erhalten sie hier einen eigenständigen Status.